Kommen. Staunen. Geniessen.

Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Schloss Mannheim mit seinem Landschaftsgarten, Ausschnitt aus einem Aquarell von J. P. Karg, 1819;  Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele
Gärten in Worte gefasst

Reiseberichte

Gekonnt werden die eigenen Eindrücke von der Reise in Worte gefasst – die Schilderungen sollten unterhalten, neugierig machen und belehren. Seit dem 18. Jahrhundert waren Schlösser, Gärten und Klöster begehrte Reiseziele und Reiseberichte gehörten zu den beliebtesten Literaturformen.

Besuch in Schwetzingen

„Hier findet man wilde Natur, die mannigfaltigste Gattung von Bäumen in regellosen Parthieen dicht nebeneinander gepflanzt, Wasserkanäle und Teiche, einen schmalen Fußpfad, der sich wie ein Mäander in beständigen Krümmungen durch die Wildnis schlängelt, und dann im Hintergrunde hohe Bögen von ehrwürdigen Ruinen (...). Diese Ruinen endigen sich mit einem alten grauen Thurm, in welchem man bis oben hinaufsteigen, und da von allen Seiten der herrlichsten Aussicht geniessen kann. Ein kleines Wasser, das durch eine nachgeahmte römische Wasserleitung herbeigeführt wird, rieselt durch den Thurm in ein Becken hinab, und sein angenehmes Murmeln mitten unter diesen schauerlichen Bildern von Hinfälligkeit versetzt vollends den Geist in eine unaussprechliche süsse Schwermuth.“

Aus: „Lustreise in die Rheingegenden“, unbekannter Verfasser, 1785

Wasserkastell im Schlossgarten Schwetzingen, Aquatinta von Carl Kuntz, um 1795; Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Historische Ansicht des römischen Wasserkastells im Schlossgarten Schwetzingen.


Besuch in Weikersheim

„Das Haupt des Residenzschlosses (...) wendet sich gen Süden, und hat einen wahrhaft fürstlichen schönen grosen Garten vor sich ausgebreitet hinliegen. Da diese Gebäute ein breiter tiefer Wassergraben umgibt … so führt eine Brücke, die durch ein eisernes Gitterthor geschlossen ist, in die Blumenbeete, welche mit vielen kleinen und großen Fontainen und mit sehr vielen riesenmäsigen Statuen und häufiger Orangerie, mit Alleen von hohen Castanienbäumen, auf zwo Seiten besezt sind, an deren Ende macht das prächtigste mit Säulen und Colossalischen Bildnissen besezte grose und herrlich schöne Orangeriehaus mit dem Inhalt der stärksten und grösten Bäume, einen gar vortrefflichen Prospekt gegen das Schloß.“

Aus: Johann Friedrich Mayer, „Romanj eines edlen Wallachens Landwirthschaftliche Reise durch verschiedene Landschaften Europens“, 4. Teil, Nürnberg 1782

Orangerie im Schlossgarten Weikersheim; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Die Orangerie als krönender Abschluss des Weikersheimer Schlossgartens.


Besuch in Ludwigsburg

"Allenthalben, wo kleine Alleen angeleget, erblickte man verschiedene Eintheilungen von Parterren, die mit zierlich geschnittenem Buchs eingefaßet und durch vielfärbigten Sand unterschieden sind. Man bewunderte besonders an diesem Tage [im Februar 1763!] in allen Blumenbettern des Gartens eine Menge natürlicher Blumen, die sonst nur in den angenehmsten Frühlingstagen in dem freyen Boden gefunden werden. Die Damen des Hofes konnten diese Blumen nach Belieben brechen, wenn sie sich an ihrem Geruche ergözen oder sich damit schmücken wollten.“


Aus: Joseph Uriot, „Beschreibung der Feyerlichkeiten, welche bey Gelegenheit des Geburtsfestes Sr. Herzogl. Durchlaucht des Herzogs zu Württemberg und Teck angestellt worden“, Stuttgart 1763

Residenzschloss Ludwigsburg;  Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Auch heute noch befinden sich viele kleine Blumenbeete vor dem Residenzschloss Ludwigsburg.


Besuch in Allerheiligen

„Das enge Tal zu unseren Füßen – es hieß Allerheiligen – bot am Ende seiner grasbewachsenen Sohle gerade Raum genug für ein behagliches, wonnevolles Menschennest, an das die Welt mit ihren Belästigungen nicht heranreichte, und folglich war es den Mönchen in alter Zeit auch nicht entgangen; und da standen die schmucken braunen Ruinen ihrer Kirche und ihres Klosters als Zeugen (…) Es ist wunderschön – eine Mischung aus Waldlieblichkeit und zerklüfteter Felsenwildnis. Ein durchsichtig klarer Gießbach schießt pfeifend talabwärts, und am unteren Ende windet er sich durch einen engen Spalt zwischen hohen steilen Klippen und stürzt dann über eine Folge von Felswänden.“

Aus: Mark Twain, „Bummel durch Europa“, englische Ausgabe von 1880

Klosterruine Allerheiligen; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Wilde Romantik, die verzaubert: Die Klosterruine Allerheiligen.

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