Staatliche Schlösser und Gärten Baden‑Württemberg
Kommen. Staunen. Geniessen.

Dienstag, 18. August 2026

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen | Ausstellungen Für die Zukunft eines einzigartigen Ökosystems: Schlossgarten begegnet den Folgen des Klimawandels

Die aktuelle Hitzewelle macht die Klimakrise deutlich erlebbar. Im Schlossgarten Schwetzingen sind die Auswirkungen des Klimawandels schon längst zu spüren. Doch die Schlossgärtnerei stellt sich den neuen Herausforderungen: Mit welchen innovativen Lösungsansätzen und Maßnahmen sie den Folgen des Klimawandels entgegentreten, zeigten Patricia Alberth, Geschäftsführerin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, und Dr. Karin Seeber, Gartenkonservatorin, bei einem Rundgang durch die Ausstellung „Klimawandel in historischen Gärten“. Mit „The [Uncertain] Four Seasons“ präsentierten sie zudem ein internationales Musikprojekt, das die möglichen Folgen des Klimawandels hörbar macht und ab sofort online verfügbar ist.

Historische Gärten in Gefahr

Hitze, Dürre und Starkregen setzen Menschen und Ökosystemen in ganz Europa zu. Historische Gärten wie der Schlossgarten Schwetzingen sind dabei in besonderer Weise betroffen: Ihre Gestaltung und Bepflanzung folgen historischen Konzepten, die unter anderen klimatischen Bedingungen entstanden sind. „Die Bepflanzung der Anlage erfolgt nach historischen Plänen. Das macht sie zu einem besonders eindrucksvollen kulturellen Schatz. Gleichzeitig müssen wir heute mit klimatischen Bedingungen umgehen, für die diese historischen Konzepte nicht geschaffen wurden“, erklärt Patricia Alberth. „Diese Herausforderung betrifft nicht nur Schwetzingen, sondern historische Gärten in ganz Deutschland.“ Wie sich der denkmalpflegerische Anspruch mit den Anforderungen des Klimawandels verbinden lässt, zeigt die Ausstellung „Klimawandel in historischen Gärten“ unmittelbar im Schlossgarten Schwetzingen.

Neue Ideen für das grüne Erbe 

Die Herausforderung besteht darin, die Anlage in ihrer historischen Gestalt so weit wie möglich zu erhalten und zugleich ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken“, erläutert Dr. Karin Seeber. Beim Rundgang zeigt sie gemeinsam mit Patricia Alberth, welche Ansätze bereits umgesetzt werden. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Schutz des alten Baumbestands. Bei Neupflanzungen setzt die eigene Baumschule unter anderem auf Nachkommen besonders widerstandsfähiger Mutterpflanzen und auf Anzuchtmethoden, die natürliche Verjüngungsprozesse nachahmen. Auch die Förderung der biologischen Vielfalt spielt eine wichtige Rolle. Bei der Auswahl des Sommerflors im Kreisparterre werden beispielsweise Pflanzen berücksichtigt, deren Blüten auch Insekten Nahrung bieten. Bei Düngung und Schädlingsbekämpfung kommen biologische Verfahren zum Einsatz. Wo es mit dem historischen Erscheinungsbild vereinbar ist, werden Wiesen seltener gemäht, um zusätzliche Lebensräume zu schaffen. „Das sind nur einige der Maßnahmen, mit denen wir daran arbeiten, dieses einzigartige Gartendenkmal auch für kommende Generationen zu erhalten“, ergänzt die Gartenkonservatorin.

Die vier Jahreszeiten 2050

Neben den konkreten Maßnahmen im Garten setzt die Ausstellung auch auf ungewöhnliche Formen der Vermittlung. Das internationale Musikprojekt „The [Uncertain] Four Seasons“ macht mögliche Folgen des Klimawandels hörbar. Ausgehend von Antonio Vivaldis berühmten „Vier Jahreszeiten“ entstand mithilfe künstlicher Intelligenz eine neue Version des Werks. Grundlage sind Klimaprognosen für Schwetzingen für das Jahr 2050. Uraufgeführt wurde das Stück zur Eröffnung der Ausstellung vom Landesjugendorchester Baden-Württemberg. Das Konzert ist nun gemeinsam mit einem Dokumentarfilm über die Entstehung des Projekts online abrufbar. Mit der Veröffentlichung auf der internationalen Projektplattform reiht sich Schwetzingen nun weltweit zwischen Nairobi, Seoul und Amsterdam ein.

Ausstellung soll sensibilisieren

Die Ausstellung verbindet die Herausforderungen des Klimawandels mit konkreten Beispielen aus dem Schlossgarten. „Der Klimawandel betrifft uns alle. Deshalb wollen wir anschaulich zeigen, was seine Folgen für einen historischen Garten bedeuten – und welche Möglichkeiten wir haben, darauf zu reagieren“, sagt Patricia Alberth. Entlang des Rundgangs erfahren die Gäste unter anderem, welchen Einfluss die Bodenqualität auf das Ökosystem hat, weshalb abgestorbene Bäume wertvolle Lebensräume sein können und warum auch Bäume gezielt behandelt werden müssen, um sie vor bestimmten Krankheiten zu schützen. Ein Begleitprogramm vertieft diese Themen und eröffnet weitere Perspektiven auf den Schlossgarten als Gartendenkmal und vielfältigen Lebensraum. So macht die Ausstellung nicht nur sichtbar, welchen Belastungen historische Gärten durch den Klimawandel ausgesetzt sind. Sie zeigt zugleich, wie Denkmalschutz, Gartenpflege und biologische Vielfalt zusammengedacht werden können.

 

Kontakt

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen
Schloss Mittelbau
68723 Schwetzingen
Besucherzentrum Schlosskasse
Telefon +49(0)62 02.12 88 28
info@schloss-schwetzingen.de

Download und Bilder