Wenn Satelliten auf Gartenkunst treffen
Der rund 22 Hektar große Kur- und Schlosspark Badenweiler dient dabei als Pilotstandort. Mit Hilfe regelmäßiger Auswertung von Satellitenaufnahmen lassen sich Veränderungen der Vitalität von Baumbeständen großflächig erfassen. Ebenfalls ist es möglich, sieben Jahre in die Vergangenheit zu schauen, um Vitalitätsveränderungen durch vergangene Ereignisse objektiv zu dokumentieren. Die gewonnenen Daten ergänzen die gartendenkmalpflegerische Arbeit vor Ort und können als zusätzliches Frühwarnsystem für die Erhaltung des kulturellen Erbes dienen. „Der Schutz unseres kulturellen Erbes gehört zu unseren zentralen Aufgaben. Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels müssen wir dabei neue Wege gehen“, sagt Patricia Alberth, Geschäftsführerin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Moderne Technologien eröffneten zusätzliche Möglichkeiten, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen für die Pflege historischer Anlagen zu treffen. „Innovation und Denkmalpflege sind für uns kein Widerspruch, sondern eine wichtige Voraussetzung für den nachhaltigen Erhalt unserer Kulturdenkmale.“ Der Kurpark Badenweiler eignet sich in besonderer Weise für die Erprobung dieser Technologie. Er zählt zu den baumartenreichsten Kurparks Deutschlands und wurde vor allem im 19. Jahrhundert nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten angelegt. Historische Sichtachsen, wertvolle Gehölzbestände und bedeutende Baudenkmale wie die Römische Badruine, die Burg Baden, das Großherzogliche Palais und Reste der originalen Wandelhalle bilden ein einzigartiges Ensemble aus Natur, Gartenkunst und Geschichte.
Trockenstress aus dem All erkennen
Wie viele historische Gärten leidet auch Badenweiler zunehmend unter den Folgen des Klimawandels. Längere Trockenperioden, Hitze, Starkregenereignisse und Stürme setzen den wertvollen Baumbeständen zu. Genau hier setzt die satellitengestützte Beobachtung an: Veränderungen können über längere Zeiträume dokumentiert und Entwicklungen sichtbar gemacht werden, bevor sie mit bloßem Auge erkennbar sind.
Neue Perspektiven für die Gartendenkmalpflege
„Die Satellitendaten liefern uns eine zusätzliche Ebene der Analyse, um Veränderungen frühzeitiger zu erfassen und auch die Wirksamkeit von Maßnahmen zu überprüfen“, erläutert Dr. Meike Kirscht, Leiterin des Referats Historische Gärten. Bereits heute werde der Park kontinuierlich überwacht und gartendenkmalpflegerisch betreut. Die neuen Auswertungen ermöglichten es jedoch, Vitalitätsveränderungen bei Bäumen, Auswirkungen von Trockenheit und damit Veränderungen der Bodenfeuchte großräumig und über längere Zeiträume nachzuvollziehen. „Die ersten Ergebnisse zeigen bereits, welches Potenzial diese Daten für die Pflege und den langfristigen Erhalt historischer Parkanlagen besitzen.“
Von der Forschung in die Praxis
Die Pilotphase knüpft an internationale Entwicklungen im Kulturgüterschutz an. Im europäischen Forschungsprojekt SATCULT wurde untersucht, wie satellitengestützte Erdbeobachtungsdaten dazu beitragen können, Risiken für Kulturstätten frühzeitig zu erkennen und deren Auswirkungen zu mindern. Hintergrund sind die zunehmenden Belastungen für das kulturelle Erbe durch Klimawandel, Naturereignisse und andere Gefährdungen. Badenweiler gehört nun zu den ersten historischen Parkanlagen, in denen solche Technologien konkret für die praktische Gartendenkmalpflege erprobt werden.
Service und Information
Kur- und Schlosspark Badenweiler
Öffnungszeiten
Tagsüber frei zugänglich
Kontakt
Großherzogliches Palais
Blauenstraße 2
79410 Badenweiler