Vom Schloss zum öffentlichen Geschichtsort
Das Jahr 1918 war eine Zäsur in der deutschen Geschichte: Der Schlusspunkt des Ersten Weltkriegs bedeutete auch das Ende der Monarchie in Deutschland. Mit dem politischen Umbruch ging das Barockschloss Mannheim an die Republik Baden über, wodurch die höfische Nutzung endgültig beendet war und viele Räume ihre bisherige Funktion verloren, zumal die Ausstattung das Schloss fast komplett verließ. Der Mannheimer Archivdirektor Friedrich Walter (1870–1956) erkannte früh die Chance, die Anlage im Herzen der Quadratestadt als öffentlichen Erinnerungs- und Bildungsort zu erschließen. Nachdem das Schloss bis 1922 weitgehend leergeräumt worden war, wurde zusätzlich zu den Sammlungen des Mannheimer Altertumsvereins eine Sammlung mit Preziosen der Barockzeit aufgebaut. Ab 1926 begann die Nutzung als Ausstellungsfläche – in Baden zählt das Schloss damit zu den frühesten Beispielen, wie aus einer ehemaligen Residenz ein öffentlicher Ort der Geschichtsvermittlung wurde. Auch Teile der ehemaligen Großherzoglichen Sammlungen fanden ihren Platz im neuen „Schlossmuseum“. Schwerpunkte bildeten die kurpfälzische und badische Residenzkultur zur Zeit des Barock und Rokoko, Kunsthandwerk, Möbel, Porzellan und Gemälde, aber auch die Stadt-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Mannheims.
Zerstörung, Wiederaufbau und Neubeginn
Die Geschichte des Erinnerungsortes verlief nicht ohne Brüche. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs setzten ihm vorerst ein Ende. Luftangriffe in den Jahren 1943 und 1944 zerstörten das Gebäude fast vollständig, während Teile der Bestände und der Originalausstattung ausgelagert werden konnten. Es folgten der Wiederaufbau, schrittweise Rekonstruktionen und neue Nutzungen, unter anderem durch Universität, Justiz und Verwaltung. Seit 2007 gibt es im Barockschloss wieder eine Ausstellung, die an die Tradition von 1926 anknüpft, zugleich aber neue Wege der Vermittlung geht. Während die originalen Räume verloren sind, machen rekonstruierte Schlossräume und moderne Vermittlungsbereiche die wechselvolle Geschichte des Ortes heute wieder erfahrbar.
Geschichte neu vermittelt: die Ausstellungsräume heute
Die heutige Präsentation im Schloss zeichnet im Bereich „Das Schloss durch die Jahrhunderte“ den Weg von der Gründung der Stadt und der Entwicklung der kurfürstlichen Residenz bis zum „Behördenschloss“ des frühen 20. Jahrhunderts nach. Ein Schwerpunkt liegt auf Mannheim als Residenzstadt und „Musenhof“ von europäischem Rang im 18. Jahrhundert. Besonders beeindruckend ist der rekonstruierte Rittersaal, das Herzstück der Residenz: Seine Monumentalität erinnert an die glanzvollen Empfänge und höfische Feste, die einst hier stattfanden. Auch die badische Zeit des 19. Jahrhunderts, als die großherzoglichen Bewohner den Empirestil ins Schloss brachten, gibt es zu entdecken. Neue, zeitgemäße Angebote erweitern den Besuch: Der Erlebnisraum Hofmusik widmet sich der berühmten Mannheimer Schule mit Audiostationen, Filmen und historischen Instrumenten. Ein besonderes Highlight stellen die virtuellen Rekonstruktionen dar: Sie lassen verlorene oder nicht zugängliche Räume wieder aufleben – darunter das Paradeschlafzimmer des Kurfürsten Carl Philipp und die kostbar ausgestattete Bibliothek von Kurfürstin Elisabeth Auguste.
Service und Information
Öffnungszeiten
Barockschloss Mannheim
Di – Fr 10.00 – 16.00 Uhr
Sa, So, Feiertag 10.00 – 17.00 Uhr
Preis (inkl. App „Monumente BW“)
Erwachsene 11,00 €
Ermäßigte 5,50 €
Familien 27,50 €
Klassische Schlossführungen
Sa, So, Feiertag stündlich von 11.00 bis 15.00 Uhr
Preis
Erwachsene 13,00 €
Ermäßigte 6,50 €
Familien 32,50 €
Kontakt
Barockschloss Mannheim
Bismarckstraße
Schloss Mittelbau
68161 Mannheim
Tel. +49(0)621.292 28 91
info@schloss-mannheim.de