Ein Meisterwerk aus der Nähe
Der romanische Radleuchter von Kloster Großcomburg ist ein außergewöhnliches Kunstwerk aus dem Mittelalter, das allein schon durch seine Größe beeindruckt: Sein Durchmesser beträgt fünf, sein Umfang rund 16 Meter. Obwohl er über dem Altar hängt und seine Einzelheiten aus dem Kirchenschiff beim Gottesdienst nur schlecht auszumachen sind, ist er reich geschmückt. Bildnisse von Heiligen, Kriegern, Bischöfen, Wächterfiguren und weitere Ornamente zieren ihn. Der Radleuchter ist eine Rarität – nur vier dieser metallenen Kunstwerke sind überhaupt erhalten. Das Exemplar im Kloster Großcomburg ist der am vollständigsten erhaltene unter ihnen, der zudem noch am Originalplatz hängt. Am Karsamstag, 4. April, können die Besucherinnen und Besucher des Klosters den bedeutenden Radleuchter um 11.00 sowie um 13.00 Uhr bei der Sonderführung „Meisterwerk des Mittelalters“ aus der Nähe betrachten. Denn an diesem Tag ist der Leuchter herabgelassen, um für die Osternacht mit Kerzen bestückt zu werden. Dass das seltene Stück auch in diesem Jahr wieder beim Gottesdienst zum Einsatz kommen könne, bestätigte Diplom-Restauratorin Ines Frontzek. Im Auftrag der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg reinigten und prüften sie und ihr Team den Radleuchter vor seinem Einsatz. Die Sonderführung wird vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) durchgeführt. Eine vorherige Anmeldung per E-Mail an Poststelle.comburg@zsl.kv.bwl.de ist notwendig. Die Tickets müssen spätestens 15 Minuten vor Beginn der Führung abgeholt werden.
Ein Bild des Himmlischen Jerusalems
In der Aufhängung des Leuchters ist eine runde Platte mit dem Antlitz von Christus befestigt, darauf heißt es: „Ego sum lux mundi” – Ich bin das Licht der Welt –, was dann der Leuchter darunter illustriert. Der Radleuchter ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend, auch sein Kunsthandwerk ist herausragend. Das Metall wurde gegossen, getrieben und graviert. Um die eindrucksvollen Ornamente, die Bildnisse und die Inschriften hervorzuheben, sind Teile der Kupferbleche vergoldet, andere Partien mit Braunfirnis überzogen. Auf zwei geschmiedeten Eisenringen sind zwölf vergoldete Kupferbleche montiert, die jeweils vier Kerzen tragen. Zwischen den Kupfertafeln sitzen fein ausgearbeitete, unterschiedliche Türme, ebenfalls zwölf. Der Leuchter zeigt sich damit als eine schwebende Vision des Himmlischen Jerusalem.
Zeugnis der mittelalterlichen Blütezeit
Im 12. Jahrhundert erlebte Kloster Großcomburg eine Blütezeit unter Abt Hartwig – nicht nur der Radleuchter zeugt davon, sondern auch das Antependium. Der vergoldete Altarvorsatz ist ein Glanzstück europäischer Goldschmiedekunst. Es zeigt Christus als Weltenrichter. Die Symbole der vier Evangelisten umgeben Jesus: ein Löwe für Markus, ein Stier für Lukas, ein Adler für Johannes und ein Engel für Matthäus. Um sie herum sind die zwölf Apostel zu sehen. Die Figuren wurden bis in feine Details der Gesichter, Haare und Falten ausgearbeitet. Zwischen den Bildfeldern leuchten farbige Emailbänder.
Service und Information
Kloster Großcomburg
Öffnungszeiten
Eine Besichtigung der Stiftskirche St. Nikolaus ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Das Klosterareal und die Wehrgänge sind tagsüber frei zugänglich.
Führung zum romanischen Radleuchter
Meisterwerk des Mittelalters
Samstag, 4. April, 11.00 Uhr
Samstag, 4. April, 13.00 Uhr
Preis
Erwachsene 7,00 €
Ermäßigte 3,50 €
Familien 17,50 €
Teilnehmerzahl
Maximal 40 Personen pro Führung
Information und Anmeldung
Eine Reservierung ist im Vorfeld möglich. Reservierte Karten müssten spätestens 15 Minuten vor Beginn der Führung abgeholt werden.
Poststelle.comburg@zsl.kv.bwl.de
Kontakt
Kloster Großcomburg
Comburg 5
74523 Schwäbisch Hall
info@kloster-grosscomburg.de