Dienstag, 4. Januar 2022

Schloss Solitude, Stuttgart | Allgemeines 10. Januar: Geburtstag von Franziska von Hohenheim, die Mätresse des Herzogs

Mit 24 Jahren wird Franziska von Hohenheim die offizielle Mätresse des Herzogs Carl Eugen von Württemberg: Schnell wird aus der Geliebten die große Liebe, die den umtriebigen Herzog besänftigen sollte. Das brachte Franziska den dauerhaften Ruf als der „gute Engel Württembergs“ ein. Am 10. Januar jährt sich der Geburtstag der Gräfin zum 203. Mal. Im neuen Themenjahr 2022 der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg „Liebe, Lust, Leidenschaft. Leben in Schlössern und Klöstern“ begeben sich Gäste auf die Spuren der Liebe durch 15 Monumente des Landes.

KENNENLERNEN BEI DER JAGD

In dem Jahr, in dem Herzog Carl Eugen Prinzessin Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth heiratete, wurde seine spätere Mätresse und zweite Ehefrau geboren: Am 10. Januar 1748 erblickte Franziska das Licht der Welt. Über ihre Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Ihr Vater, Freiherr Ludwig Wilhelm von Bernerdin, heiratete in die Familie von Adelmannsfelden ein. Er und seine Frau bekamen fünf Töchter, die es zu verheiraten galt. So wurde Franziska mit 16 Jahren die Frau des älteren Barons Leutrum von Ertingen, Kammerherr am württembergischen Hof. Herzog Carl Eugen begegnete sie erstmals 1771 bei einer seiner Jagdgesellschaften auf Schloss Solitude, zu der sie ihren Ehemann begleitete. Ein Kennenlernen, das beider Leben verändern sollte.

 

DIE NEUE MÄTRESSE

Nur wenige Monate nach ihrer ersten Begegnung ernannte Herzog Carl Eugen Franziska zu seiner offiziellen Mätresse: Am 10. Januar 1772, ihrem 24. Geburtstag, überschrieb er ihr ‒ auf Widerruf ‒ sein Gut in Hohenheim. Franziska ließ sich im selben Jahr von ihrem Mann scheiden. Gut zwei Jahre später wurde sie in den Rang einer Gräfin von Hohenheim erhoben. Bis heute ist Franziska von Hohenheim bekannt dafür, dass sie den „wilden“ Herzog von Württemberg zum guten Landesvater erzogen haben soll. Eine Legende? Herzog Carl Eugens Interesse an der prächtig ausgestalteten Solitude ‒ seinem Lust- und Jagdschloss mit den weitläufigen Wäldern, in dem er ausgiebig zahlreiche Feste feierte und Jagdgesellschaften gab ‒, ließ mit Franziska nachweislich nach; sein Fokus verlagerte sich mehr nach Hohenheim. Das Gut nutzte das Paar anschließend zehn Jahre lang als Sommersitz.

 

WÜRTTEMBERGS ENGEL?

Anders als viele andere Mätressen litt Franziska von Hohenheim unter dem Verhältnis zu dem verheirateten Herzog, der zudem katholisch war. Doch im 18. Jahrhundert waren Mätressen an den Fürstenhöfen Europas nichts Ungewöhnliches. Die offiziellen Ehen wurden meist aus dynastischen Gründen geschlossen, wie auch im Falle des württembergischen Herzogs: Seine Ehe mit Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth war ein politisches Arrangement; das Paar war nicht glücklich und der junge Herzog vergnügte sich bald mit verschiedenen Liebschaften und Mätressen. Das Bild als „guter Engel Württembergs“, das man später pflegte, muss daher kritisch gesehen werden: Franziskas Darstellung des 19. Jahrhunderts mag von ihrer großen Liebe Carl Eugen überzeichnet sein, die Hofberichterstattung und Memoiren des zeitgenössischen Adels und Bürgertums schlossen sich womöglich einem verklärten Bild der Zeit an.

 

EINE TIEFE LIEBE

Ihre pietistische Frömmigkeit und ihr bescheidenes Auftreten werden aber mit Sicherheit positiv auf das Wesen von Herzog Carl Eugen gewirkt haben. Franziska war dabei weit mehr als eine Mätresse: Dass die beiden eine tiefe Liebe verband, die über den Tod des Herzogs hinaus, anhielt, belegt ein Tagebucheintrag Franziskas vom 10. Januar 1795, ihrem 47. Geburtstag: „Werde ich disses Jahr Gantz Erleben, oder werden meine wünsche Erfült, Balt aufgelese, Bey Christo zu sein u. wieder mit meinem Theuren Herzog verEint zu Leben. Alles überlasse ich dir Groser almächtiger Gott, Gieb nur, daß ich die Zeit die du mir zu gemessen, daß ich sie Gantz dir Weihe, Gantz zu deinem wohlgefallen anwende u. nur in dir mein Glück u. meine Gantze Zufriedenheit finde.“ Für Zeitgenossen war „Franziskas Anteil an dieser zweiten, beruhigten Phase der langen Regierungszeit Carl Eugens [...] kaum überschätzt [...];“.

 

EINBLICKE IN DAS LEBEN DER HERZOGLICHEN MÄTRESSE

Herzog Carl Eugen und Franziska von Hohenheim heirateten heimlich am 11. Januar 1785. Das Paar blieb bis zum Tod Carl Eugens 1793 vereint. Da seine Nachfolger den Status als verwitwete Herzogin nicht anerkannten, wurde Franziska das Recht an Schloss Hohenheim als Witwensitz abgesprochen. 1795 zog die Gräfin daher in Schloss Kirchheim ein. Nach ihrem Tod am 1. Januar 1811 fand Franziska von Hohenheim ihre letzte Ruhestätte in der Martinskirche in der Stadt an der Teck. Wer mehr über das Leben der Gräfin von Hohenheim erfahren möchte, hat dazu im Rahmen eines Führungsangebots die Gelegenheit: Exklusiv für Gruppen buchbar ist eine Kostümführung zu Franziska von Hohenheim auf Schloss Solitude: Die Gräfin erzählt aus ihrem Leben – etwa vom Empfang des russischen Thronfolgerpaares 1782, der Nacht, in der Friedrich Schiller aus Stuttgart floh. Das Gedicht, das der junge Poet über Franziska verfasste, wird beim Rundgang durch die Schlossräume vorgetragen.

 

VORSCHAU THEMENJAHR 2022

2022 ist Schloss Solitude als ehemaliges Lust- und Jagdschloss von Herzog Carl Eugen eines von 15 Highlight-Monumenten des Themenjahres der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg: Unter dem Motto „Liebe, Lust, Leidenschaft. Leben in Schlösser und Klöster“ erkunden Besucherinnen und Besucher die Liebe und ihre Facetten im Wandel der Zeit ‒ von der Liebe jenseits der Ehe über tiefe Religiosität und leidenschaftliche Gottesliebe bis zur Sammelleidenschaft, die sich in Wunderkammern, Naturalienkabinetten und Gärten mit exotischen Pflanzen widerspiegelt. Alle Inhalte des Themenjahres und weitere Informationen werden ab Januar 2022 auf dem Internetportal der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg unter www.schloesser-und-gaerten.de vorgestellt.

 

SERVICE UND INFORMATION

ÖFFNUNGSZEITEN

Schloss Solitude

Montag, 10. Januar 2022 bis Donnerstag, 31. März 2022

Sa, So, Feiertag 10:00–16:00 Uhr
 

EINTRITT

Schloss Solitude inklusive Führung

Erwachsene 5,00 €
ermäßigt 2,50 €
Familien 12,50 €

 

FÜHRUNGEN

Schlossführungen

Stündlich, 10:30‒15:30 Uhr

Dauer: 45 Minuten

 

Öffentliche Familienführung

So, Feiertag um 14:30 Uhr

 

Die Teilnehmerzahl je Rundgang ist auf 15 Personen begrenzt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

BUCHBARES ANGEBOT FÜR GRUPPEN

Franziska von Hohenheim. Einblicke in das Leben der herzoglichen Mätresse

Eintritt: Gruppen bis 20 Personen: pauschal 162,00 €, jede weitere Person 8,10 €; Gruppen ab 20 Personen: pro Person 8,10 €

Dauer: 75 Minuten
Termin: nach Vereinbarung

 

BESUCHSHINWEISE

Für den Schlossbesuch gilt die aktuelle Corona-Verordnung der baden-württembergischen Landesregierung. Zur Anwendung kommt die 2G+-Regel: Der Schlossbesuch ist möglich mit vollständiger Impfung und tagesaktuellem negativen Corona-Test. Wenn der zweite Impftermin weniger als drei Monate zurückliegt bzw. wenn bereits eine Booster-Impfung (mindestens 14 Tage vorher) nachgewiesen werden kann, entfällt der Test. Es besteht die Pflicht, eine medizinische oder FFP2-Maske zu tragen. Der Abstand zu anderen Personen muss eingehalten werden. Außerdem werden die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher erfasst, wahlweise vor Ort oder digital über die Luca-App. Das Kontaktformular kann auch online ausgefüllt werden oder als PDF-Datei heruntergeladen und ausgefüllt abgegeben werden.

 

KONTAKT

Schloss Solitude

Solitude 1

70197 Stuttgart

Telefon +49(0)7 11. 351‒47 72

info@schloss-solitude.de

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