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Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Freitag, 16. August 2019

Kloster und Schloss Bebenhausen | Allgemeines

20. August: Wer war der Heilige Bernhard? Bebenhausen und die „Bernhardsminne“

Der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux gründete zu Lebzeiten 343 Klöster – auch in Bebenhausen hinterließ er seine Spuren. Der Bernhardstag am 20. August ist als einer der wenigen Heiligentage auch in den evangelischen und anglikanischen Kirchen ein Gedenktag. Wer war dieser Mönch, der unzählige Menschen in seinen Bann zog?

WER WAR DER HEILIGE BERNHARD VON CLAIRVAUX?

Geboren wurde der spätere Abt im Jahr 1091 auf einer Burg in Frankreich, als Kind eines burgundischen Ritters. Da er der dritte Sohn der adligen Familie war, sollte er, nach mittelalterlicher Tradition, Geistlicher werden. Besonders seine Mutter legte Wert auf eine christliche Erziehung. Ihr war bereits vor seiner Geburt im Traum ein weißer Hund erschienen, der als der künftige „Wachhund des Herrn“ gedeutet wurde. Auch Bernhard selbst hatte immer wieder fromme Visionen. Ein Hinweis auf sein Charisma: Bevor er 1112 ins Kloster eintrat, überzeugte er noch seine ganze Familie und viele Freunde, dem Weltlichen zu entsagen und es ihm gleichzutun. Er entschied sich für den Eintritt in das 1098 von Robert von Molesme neu gegründete Kloster Cîteaux. Dort wandte man sich gegen die Prachtenfaltung und Machtfülle der Benediktiner in Cluny und forderte die Rückkehr zu streng asketischen Regeln. 1114 legte Bernhard seine Profess ab und schon ein Jahr später wurde er ausgesandt, ein neues Kloster zu gründen – Clairvaux, das sich zur bedeutendsten und prägenden Zisterzienserabtei entwickeln sollte.

 

DAS ZISTERZIENSERKLOSTER IN BEBENHAUSEN

Bernhard und seine Predigten faszinierten so stark, dass sich der Orden innerhalb weniger Jahrzehnte über ganz Mitteleuropa ausbreitete. Viele ehemalige Benediktiner- oder Prämonstratenserabteien wurden in Zisterzen umgewandelt. So war es auch in Bebenhausen, das ursprünglich 1183 als Prämonstratenserkloster gegründet worden war. Mit dem Einzug der Zisterziensermönche 1189 wurde der Ausbau des Klosters zügig vorangetrieben. Dabei hielt man sich an den „Bernhardinischen Plan“. Er sah vor, dass die Anlage von einem Gewässer durchflossen und die Bauten um den Kreuzgang herum gruppiert werden sollten. Auch die Klosterkirche wurde nach den Vorgaben Bernhards ausgeführt und hat deshalb keinen Turm – dafür aber einen eindrucksvollen Dachreiter auf der Vierung. In ihrem Inneren kann man die schlichte und strenge Bauweise der Zisterzienser nachvollziehen, obwohl sie in späteren Jahrhunderten gotisch umgestaltet wurde.

 

NEUORDNUNG UND NACHWIRKUNG

Bernhard von Clairvaux ist zwar nicht der Gründer der Zisterzienser, doch wurden seine sowohl theoretischen als auch ganz praktischen Erneuerungen entscheidend für die rasche Ausbreitung des Ordens. Ganz wesentlich waren die technischen Errungenschaften in der Landwirtschaft, durch die der Orden einen nicht geringen Anteil am Wohlstand der Zeit hatte. Insbesondere die kunstvolle Bewässerung mit Teichen und Kanälen, in der sich die Zisterzienser hervortaten, ist bis heute beeindruckend. Bernhard selbst erhielt für seine gewinnende Art des Redens den Titel „doctor mellifluus“: honigfließender Gelehrter. Er setzte er sich nicht nur für den Orden ein, sondern warb mit großem Erfolg für die damals beginnenden Kreuzzüge.

 

KLOSTERANLAGEN VON GANZ EIGENEM CHARAKTER

Besondere Wirkkraft haben aber bis heute die den Vorgaben des Bernhard gebauten Klosteranlagen. Besonders wichtig war der völlige Verzicht auf bauplastischen Schmuck und Malereien, da diese nach Bernhard vom Beten ablenkten und die Andacht verhinderten. Auch deshalb entstanden Bilder des Heiligen erst in späteren Jahrhunderten. Die Reduzierung der Architektur, in Kombination mit der monumentalen Größe, übt auch heute noch eine starke Wirkung auf den Betrachter aus – einer der Gründe, warum die Bauten des mittelalterlichen Klosters Bebenhausen am Randes der Schönbuchwälder auch heutige Besucher noch so stark faszinieren.

 

DIE BERNHARDSMINNE IN BEBENHAUSEN

Eine der seltenen Darstellungen des Bernhard von Clairvaux befindet sich in der Klosterkirche. Das Tafelbild eines unbekannten Meisters zeigt eine der Visionen des Heiligen: Er betet vor einem Kruzifix, während Christus sich vom Kreuz herab neigt und ihn umarmt. In dieser Darstellung drückt sich die tiefe mystische Frömmigkeit der Zisterzienser aus, die Bernhard auch zu einer Leitfigur für die Rekatholisierung machte. Den Bildersturm der Reformation, dem viele Heiligenbilder zum Opfer fielen, hat die Bebenhausener Bernhardsminne nur zufällig – als Kreuzabnahme interpretiert – überstanden.

 

ERLEBNISTAG IM KLOSTER AM 13. OKTOBER

Das eindrücklichste Vermächtnis des Heiligen Bernhard sind sicher die erhaltenen Klosteranlagen, in denen auch für heutige Menschen der Geist des mittelalterlichen Zisterzienserordens spürbar und lebendig ist. Viele der besonderen Führungen, die die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg in den einstigen Klöstern anbieten, befassen sich daher mit Themen, die diese Zisterziensertradition aufgreifen. Immer am zweiten Oktobersonntag laden die einstigen Klöster in Baden-Württemberg zum „Erlebnistag im Kloster“: Am 13. Oktober lässt sich bei Sonderführungen und Veranstaltungen das Leben der Mönche und ihr Alltag in der Entstehungszeit der Klöster erleben – auch in Bebenhausen.

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Bildnachweis

Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

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