Freitag, 24. Juni 2022

Kloster Maulbronn | Allgemeines Literatur-Nobelpreisträger Hesse besuchte Klosterschule in Maulbronn

Literatur-Nobelpreisträger Hermann Hesse ist einer der berühmtesten Zöglinge der Klosterschule in Maulbronn. Er wurde am 2. Juli 1877, vor 145 Jahren, in Calw geboren. Mit 14 Jahren kam er an das evangelisch-theologische Seminar Maulbronn. Seine Spuren sind an den verschiedensten Stellen des Klosters zu finden. Gäste erfahren dort aber nicht nur Historisches: Sie erleben ein lebendiges Kloster. Denn junge Menschen werden dort immer noch unterrichtet.

UNESCO-WELTKULTURERBE

Mitte des 12. Jahrhunderts begannen die Zisterzienser mit dem Bau von Kloster Maulbronn im heutigen Enzkreis. Das Kloster gehört seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen. Im Lauf der Jahrhunderte entstand eine riesige Klosterstadt. An den verschiedensten Stellen finden sich Stilrichtungen und Entwicklungsstufen von der Romanik bis zur Spätgotik. Die noch im 12. Jahrhundert geweihte Klosterkirche und die Klausur etwa wurden ursprünglich in romanischem Stil errichtet. Das überlebensgroße, aus einem einzigen Steinblock geschaffene Kruzifix in ihrem Innern ist ein spätgotisches Kunstwerk. Im 14. und frühen 15. Jahrhundert wurde dann der Kernbereich des Klosters – Kapitelsaal, Kreuzgang und Brunnenhaus – im spätgotischen Stil modernisiert. Das Brunnenhaus ist ein weiteres Wahrzeichen des Klosters. Von den drei Schalen des Brunnens stammt die unterste aus dem Mittelalter, die anderen kamen später hinzu.

 

KAUM VERÄNDERT

Seinen hervorragenden und kaum veränderten Zustand verdankt das Kloster einer Entwicklung im 16. Jahrhundert. Herzog Christoph von Württemberg ließ mit seiner neuen Kirchenordnung von 1556 die 13 Männerklöster Württembergs in Klosterschulen umwandeln. Dazu gehörte auch Kloster Maulbronn. Ziel der Klosterschule war es, den evangelischen Pfarrer-Nachwuchs auszubilden. Die in romanischem und gotischem Stil errichteten Klostergebäude waren für diesen Zweck besonders geeignet. Auf größere Um- oder Neubauten wurde deshalb in den folgenden Jahrhunderten verzichtet. Bei ihrer Gründung galten die Klosterschulen in Württemberg als hochmodern. Erstmals hatten auch Kinder aus ärmeren Familien die Möglichkeit, eine höhere Schulbildung zu bekommen. Der Schulalltag der Jungen war von einer Fülle an Lehrstoff, strenger Disziplin und Erfolgsdruck geprägt. 1806, während der Säkularisation, gingen alle Klöster in Staatsbesitz über und wurden in Evangelisch-Theologische Seminare umbenannt. Von ihnen gibt es mittlerweile nur noch zwei: Maulbronn und Blaubeuren.

 

SCHULE GIBT ES IMMER NOCH

Bis auf zwei Unterbrechungen, zuerst während des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) und später in der Zeit des Nationalsozialismus, wurden und werden im Kloster Maulbronn junge Menschen unterrichtet. Mittlerweile lernen dort Jungen und Mädchen gemeinsam. Seit 2010 können sie in den Räumen des Klosters auch ihr Abitur ablegen. Besucherinnen und Besucher des Klosters erleben deshalb nicht bloß ein beeindruckendes Kulturerbe, sondern zudem eine Klosteranlage, in der immer noch Menschen leben, arbeiten und lernen.

 

HERMANN HESSE IST BERÜHMTESTER SCHÜLER

Viele bekannte Persönlichkeiten begannen ihre Laufbahn am Maulbronner Seminar. Der Mathematiker, Astronom, Optiker und Astrologe Johannes Kepler (1571 – 1630) zum Beispiel, der bedeutende Lyriker Friedrich Hölderlin (1770 – 1843) und LiteraturNobelpreis-Träger Hermann Hesse (1877 – 1962). Er wurde vor genau 145 Jahren, am 2. Juli 1877, in Calw geboren und gilt als der berühmteste Zögling des Maulbronner Seminars. Er kam mit 14 Jahren, im September 1891, an die Klosterschule. Schon damals wusste er, dass er Dichter werden wollte. Anfangs war er begeistert vom Unterricht. Doch er bemerkte schnell, dass die Schule ihn nicht auf seinen Traumberuf vorbereitete. Hesse war sensibel und hatte Probleme mit dem harten, entbehrungsreichen Schulalltag, der schon nach kurzer Zeit zu einer tiefen Depression führte. Nicht einmal ein Jahr, nachdem er nach Maulbronn gekommen war, floh Hesse im März 1892 aus dem Kloster. 1899 veröffentlichte er sein erstes Buch. In seinem Roman „Unterm Rad“ von 1906 verarbeitet er seine Erlebnisse in der Klosterschulzeit. 1927 gelang ihm mit dem „Steppenwolf“ international der Durchbruch. Romane und Erzählungen wie „Siddharta. Eine indische Dichtung“ (1922), „Narziß und Goldmund“ (1930) und das „Glasperlenspiel“ zählen heute zur Welt- und Schullektüre. Hesse gilt als der meistgelesene deutschsprachige Autor des 20. Jahrhunderts. 1946 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Nach Kloster Maulbronn kehrte er 1914 noch einmal zurück. Damals entstand das Gedicht „Im Maulbronner Kreuzgang“. Einblicke in Hesses Leben und Werk bietet die Dauerstellung „Besuchen. Bilden. Schreiben. Das Kloster Maulbronn und die Literatur“ im Literaturmuseum des Klosters.

 

SERVICE UND INFORMATION

Kloster Maulbronn

ÖFFNUNGSZEITEN

bis 31. Oktober 2022

Mo – So und Feiertage 9.30 – 17.30 Uhr

 

PREISE

Kloster

Erwachsene 9,00 €

Ermäßigte 4,50 €

Familien 22,50 €

 

Kloster mit Standardführung oder Audioguide

Erwachsene 12,00 €

Ermäßigte 6,00 €

Familien 30,00 €

 

HINWEISE

Wir empfehlen Ihnen, weiterhin eine Maske zu tragen. Die Maske ist ein effizientes Mittel, um sich und andere vor Infektionen zu schützen.

 

KONTAKT

Kloster Maulbronn

Klosterhof 5

75433 Maulbronn

Telefon +49(0)70 43.92 66 10

info@kloster-maulbronn.de

www.kloster-maulbronn.de

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