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Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Kloster Schöntal | Allgemeines 16. Dezember 1650: Der spätere Abt Benedikt Knittel wird in Lauda geboren

Am 16. Dezember 1650, vor genau 370 Jahren, wurde Benedikt Knittel, der spätere Abt des Klosters Schöntal, in Lauda geboren. Seine Wahl zum Abt im Jahr 1683 sollte einen Eklat auslösen – das Bistum Würzburg klagte und protestierte. Jedoch ohne Erfolg: Über 49 Jahre lang herrschte Benedikt Knittel als Abt über das reiche Kloster Schöntal. Während seiner Amtszeit erlebte das Zisterzienserkloster an der Jagst eine noch nie dagewesene Blüte: Unter ihm wurde die barocke Klosterkirche erbaut. Bekannt ist der Schöntaler Abt bis heute als Dichter: Seine raffinierten und oft humorvollen Verse trifft man überall im Kloster.

VON JOHANNES ZU BENEDIKT 
Am 16. Dezember 1650 wurde der spätere Abt Benedikt Knittel als dritter Sohn des Ratsherren Johannes Knittel und seiner Frau Ursula in Lauda an der Tauber geboren. „Joanni Knitteln Juniori ein Sohn Johannes getauft, Gevatter Johannes Eckart“ ist im Taufbuch des Pfarramts Lauda vermerkt. Wie sein Vater erhielt er den Namen Johannes. Nach seinem Philosophiestudium in Würzburg trat er 1670 in das Zisterzienserkloster Schöntal ein. Am 11. Oktober 1671 legte er sein Ordensgelübde („Profess“) ab, und erhielt seinen neuen Namen: Benedikt. Anschließend studierte der junge Mönch Theologie. Vier Jahre später wurde er zum Priester geweiht und machte rasch eine geistliche Karriere: Bald wurde er Assistent des Priors, des Stellvertreters des Abts. Das Amt des Priors bekleidete er schon 1681.

 

EINE SCHNELLE WAHL 

Nur zwei Jahre später, am 6. Juli 1683, wählten die Mönche von Kloster Schöntal Benedikt Knittel zu ihrem neuen Abt. Für insgesamt 49 Jahre sollte er die Geschicke des Zisterzienserklosters lenken. Die Wahl Knittels sorgte jedoch für Ärger: Die Mönche wählten den neuen Abt bereits am Tag nach dem Tod von Franziskus Kraft, der Vorgängerabt, und fast im Geheimen. Als sich der Tod von Abt Kraft abzeichnete, informierte der Schöntaler Konvent nur das Mutterkloster von Schöntal im bayerischen Kaisheim, nicht jedoch das Bistum Würzburg. Da der Würzburger Bischof die „Spiritualien“ über Kloster Schöntal beanspruchte, also das Recht, den Abt ins Amt einzusetzen, war der Ärger vorprogrammiert. Taktisch denkend hielten die Mönche die Krankheit von Abt Kraft vor der Bistumsverwaltung geheim. Als das übergangene Bistum in Würzburg von der Wahl erfuhr, war der Protest scharf. Davon ließ man sich im Jagsttal aber nicht beeindrucken.

 

DIE BLÜTEZEIT VON KLOSTER SCHÖNTAL 

Die Ansprüche und Forderungen des Würzburger Bischofs ließen ihn unberührt: Unter der Regierung Knittels erlebte Kloster Schöntal seine größte Blüte – das zeigen die monumentalen Bauten, die ab 1697 entstanden. Der Großteil der Anlage, wie sie heute noch zu sehen ist, geht auf Knittel als Bauherrn zurück: Sowohl das Konventsgebäude mit dem prächtigen Rokoko-Treppenhaus als auch die barocke Klosterkirche mit ihrer prachtvollen Ausstattung und der Doppelturmfassade stammen aus seiner fast 50-jährigen Dienstzeit als Abt. Etwa 40 Mönche lebten während seiner Amtszeit im Kloster.

 

SCHÖNTALER KNITTEL-VERSE 

Bis heute berühmt ist Benedikt Knittel als Meister der gereimten Sprüche: „Folg disem exempel des danckbaren Lahmen / verehre im tempel den Göttlichen nahmen. Amen!“ Überall ließ er das Kloster mit seinen kurzen Gedichten und Sinnsprüchen schmücken: an Wänden und Decken, in Treppenhäusern und an den Weinfässern. Oft spiegeln sie, gemalt oder in Stein gehauen, die barocke Lust am raffinierten Wortspiel und an der kunstvollen Komposition wider. Die sogenannten „Knittelversen“ gehen aber nicht auf den Abt zurück. „Knittel“ meint einfach nur „Reim“, der „Knittelvers“ ist dementsprechend schlicht ein „Reimvers“.

 

KNITTELVERSE - WER SUCHT, DER FINDET 

Trotzdem lohnen die speziellen Knittel-Verse von Schöntal die Entdeckung und das Entziffern. Die Reime des geistlichen Dichters erheitern nicht nur, sie erklären sogar die Geschichte des Klosters. Für den Grundstein des Konventsbau im Osthof dichtete Benedikt Knittel Folgendes: „Neündthalb Schuh von hier hinund / Ligt der erste Stein im Grund. / Acht Tag nach MARIAE geburt / Selbst eingewyhet wurd.“ Der Knittelvers am Nordturm der Kirche erzählt von der Gründungslegende von Kloster Schöntal: „Ein gros paar Hirscht sambt einem Hundt / Nebst ihrem Herrn frisch und gesund / Auf dissem Platz vor Zeiten stundt. /Mit Warheits Grund sey dises kundt.“

 

BILDNACHWEIS 

Das Bild zeigt Abt Benedikt Knittel im Alter von 77 Jahren. Gemalt wurde es von Giovanni Battista Ferrandini um 1727/1728.

Bildrecht: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Foto Besserer

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