Dienstag, 22. September 2015

Kloster und Schloss Bebenhausen | Führungen & Sonderführungen KÖNIG KARL I. VON WÜRTTEMBERG

Der dritte württembergische König Karl I. (1823 – 1891) ist als zurückhaltender und milder Regent in die Geschichtsbücher eingegangen. Während seiner Regierungszeit ließ der Monarch Kloster und Schloss Bebenhausen umfassend renovieren und nach seinem Geschmack einrichten. Hier verbrachte er glückliche Tage, fern vom strengen Hof in Stuttgart. Er starb vor 124 Jahren, am 6. Oktober 1891. Noch kurz vor seinem Tod hielt sich der König in Bebenhausen, seinem privaten Refugium, auf.

Refugium für einen sensiblen Monarchen. 6. Oktober: Todestag König Karls

Der dritte württembergische König Karl I. (1823 – 1891) ist als zurückhaltender und milder Regent in die Geschichtsbücher eingegangen. Während seiner Regierungszeit ließ der Monarch Kloster und Schloss Bebenhausen umfassend renovieren und nach seinem Geschmack einrichten. Hier verbrachte er glückliche Tage, fern vom strengen Hof in Stuttgart. Er starb vor 124 Jahren, am 6. Oktober 1891. Noch kurz vor seinem Tod hielt sich der König in Bebenhausen, seinem privaten Refugium, auf.

LIBERALER UND SENSIBLER MONARCH
Karl Friedrich Alexander von Württemberg wurde 1823 als einziger Sohn König Wilhelms I. (1781-1864) geboren. Er war, beschrieben mit heutigen Worten, ein sensibler Junge mit eindeutig musischer Begabung und erhielt unter anderem Gesangs- und Zeichenunterricht. Für den strengen Vater zeigte der zarte Sohn aber zu wenig staatsmännisches und militärisches Profil. Seine praktische Ausbildung durch den König fiel deshalb denkbar knapp aus: Denn der traute ihm nicht viel zu. Nach dem Tod des Vaters übernahm Karl am 12. Juli 1864 zwar die Amtsgeschäfte als König, blieb aber politisch im Hintergrund. In den ersten Regierungsjahren zeigte sich seine liberale Haltung: Er stellte die Presse- und Vereinsfreiheit wieder her und führte das allgemeine, geheime Wahlrecht ein. Doch schon bald vernachlässigte Karl die Regentschaftspflichten und überließ die Regierung weitgehend seinen Ministern.

DER HAUPTSTADT DEN RÜCKEN GEKEHRT
Schon als Kind galt Karl als kränklich. Bereits seit seiner Jugendzeit litt er an Depressionen. Als er 1846 die junge russische Großfürstin Olga heiratete, war die Freude in der Familie und im Volk groß. Die anfänglich harmonische Ehe blieb kinderlos, dem Herrscherhaus fehlte der Thronfolger. Immer deutlicher wurde im Lauf der Jahre die homosexuelle Neigung des Königs. Als die Affären die politische Ebene erreichten – er erhob einen Günstling in den Adelsstand – und ein Skandal kaum noch vermeidbar war, zog sich Karl fast ganz ins Private zurück. Er lebte fern vom Regierungssitz in Stuttgart, oft außerhalb des Landes. Die Sommer verbrachte er in Kurorten und Seebädern, in Friedrichshafen oder an der Riviera. Hier kurierte der König seine zahlreichen Krankheiten aus. In Bebenhausen lebte der König viele Wochen im Herbst, denn auch hier konnte er der Beobachtung durch den Hof entfliehen.

BEBENHAUSEN ALS KÖNIGLICHES REFUGIUM
Bereits 1807 hatte der erste württembergische König Friedrich (1754–1816), Karls Großvater, das Abtshaus des Klosters Bebenhausen zu einem Jagdschloss umbauen lassen. Karls Vater König Wilhelm I., ebenfalls ein begeisterter Jäger, hatte mit ersten konservatorischen Eingriffen das mittelalterliche Kloster vor dem Verfall bewahrt. König Karl schließlich ließ den gesamten südöstlichen Gebäudetrakt erneuern und das ehemalige Gäste- und Krankenhaus zu Schloss Bebenhausen ausbauen. Die Räume ließ er sich nach seinen Wünschen und Vorstellungen im typisch historistischen Stil der Zeit mittelalterlich einrichten. Weil Karl in Tübingen studiert hatte, kannte er Bebenhausen und die Umgebung gut. Oft waren Tübinger Professoren seine Gäste im Schloss.

SONDERFÜHRUNG ZUM LEBEN DES KÖNIGS
Bei allen Führungen im Jagdschloss Bebenhausen sieht man auch die Räume, in denen der König lebte. Eine Sonderführung, seit diesem Jahr neu im Programm, ist ganz dem wenig bekannten Herrscher gewidmet, für den Kloster und Schloss Bebenhausen eine besondere Bedeutung hatten. Bei dem Rundgang mit Holger Starzmann unter dem Titel „Ein König privat“ kann man in den Räumen des Jagdschlosses dem Privatmann Karl nachspüren. Im Speisesaal und in den königlichen Appartements finden sich Möbel aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie historistische Stücke aus dem 19. Jahrhundert. Die romantischen Mittelaltervorstellungen des Königs sind in vielen Details seiner Sammlung zu sehen. Nach König Karl wohnte in Bebenhausen das letzte württembergische Königspaar Wilhelm II. und seine Ehefrau Charlotte. Mit dem Ende der Monarchie hatten sie das einstige Kloster als Ort des Rückzugs gewählt.

SERVICE UND INFORMATION
Die nächste Führung „Ein König privat – Karl von Württemberg und Bebenhausen“ mit Holger Starzmann findet am 8. November um 15.30 Uhr statt.

Anmeldung zur Führung und weitere Informationen:
Kloster und Schloss Bebenhausen
Im Schloss
72074 Tübingen
Telefon +49(0)70 71.6 02 - 8 02
Telefax +49(0)70 71.6 02 - 8 03
info@kloster-bebenhausen.de

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