State Palaces and Gardens of Baden-Wuerttemberg
Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Thursday, 5 March 2020

Rastatt Favorite Palace | Exhibitions Zwei kostbare Stücke aus Schloss Favorite reisen nach Den Haag

Ende März wird in Den Haag in den Niederlanden eine große Ausstellung die Kunst der Delfter Manufakturen präsentieren und „Spitzenstücke aus europäischen Sammlungen“, so die Konzeption der Ausstellung „Koninklijk Blauw / Royal Blue“, zusammenbringen. Zwei dieser europäischen Spitzenstücke gehören zum Bestand von Schloss Favorite, wohin sie vermutlich als Geschenke des englischen Königspaares an Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden kamen. Sie reisen jetzt im März nach Den Haag.

KÖNIGLICHE STÜCKE ALS GESCHENK
Es sind zwei königliche Stücke: Die beiden großen Gefäße aus Delfter Fayence tragen beide das Monogramm „WMR“ mit einer Königskrone – und lassen sich daher mit dem englischen Königspaar William III. (Wilhelm von Oranien-Nassau, 1650 – 1702) und Mary II. von England (1662 – 1694) verbinden. William III. kam 1689 auf den englischen Thron – durch seine Frau, die englische Prinzessin war, aber auch, weil Wilhelms Mutter Mary Stuart war, Schwester des letzten katholischen Königs James II., der 1688 in der „Glorious Revolution“ den Thron verlor. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden besuchte im Jahr 1694 den Hof in London. Es ist gut möglich, dass das die Gelegenheit war, bei der die kostbaren großen Fayence-Gefäße dem Markgrafen geschenkt wurden.

 

AUFWÄNDIG GESCHMÜCKT
Die großen Gefäße sind achteckig – eine eher ungewöhnliche Form für Keramik, die ja oft aus der Rotation auf der Drehscheibe entstand. Zwei große geschwungene Henkel, geziert mit Masken, schmücken die Seiten. Wenn man sich die Form der Gefäße und die Art des blauweißen Dekors ansieht, fällt auf, dass hier wahrscheinlich große Silberpokale als Vorbild dienten, die im keramischen Material nachgeahmt wurden. Datieren lassen sich die beiden Pflanzengefässe in die Zeit um 1690/95, als die Manufaktur unter der Leitung von Adrian Kocks oder Adrianus Kocx stand. Sie gehen nun als Leihgabe auf die Reise nach Den Haag. Dort sind sie bis zum 16. August in der Ausstellung „Koninklijk Blauw / Royal Blue“. Ende August 2020 werden sie dann wieder in Favorite zu sehen sein.

 

AUS EINER RENOMMIERTEN DELFTER MANUFAKTUR
Die Manufakturen im niederländischen Delft und seiner Umgebung waren berühmt für ihre Qualität und Leistungsfähigkeit. Eine der bekanntesten war „de Grieksche A“, benannt nach der Marke, mit der die Produkte gekennzeichnet wurden: der griechische Buchstabe Alpha. 1658 gegründet, gehören sie zu den stilprägenden Keramikproduzenten des niederländischen Goldenen Zeitalters. Delfter Fayence ist ein keramisches Erzeugnis, das mit europäischen Mitteln versuchte, das ostasiatische Porzellan nachzuschaffen. Das Verfahren der Porzellanherstellung war in Europa bis 1709 unbekannt – und enorm faszinierend. Mit der blauweißen Keramik, wie sie in Delft entstand, versuchte man, mit eigenen Mitteln die Ästhetik des Porzellans nachzuahmen. Was dabei entstand, waren teilweise perfekte Imitationen – aber vor allem sind es ganz und gar eigenständige Kunstwerke. Bis heute sind sie hochgeschätzt.

 

SCHLOSS FAVORITE: VOLLER KOSTBARER KERAMIK
In Schloss Favorite, das Markgräfin Sibylla Augusta ab 1710 errichten ließ, ist Keramik ein zentrales Thema: Die Markgräfin sammelte Porzellan – ostasiatisches und die ersten Stücke aus der ersten europäischen Manufaktur in Meißen. Sie präsentierte ihre umfangreiche Kollektion an blauweiß glasierter Fayence aus verschiedenen Manufakturen in der Schauküche im Sockelgeschoss des Schlosses. Außerdem sind blauweiße Fayencekacheln an vielen Stellen als Wandschmuck verarbeitet, etwa in der Sala Terrena oder im Treppenhaus.

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