Barockes Idyll und Grablege Götz von Berlichingens
Kloster Schöntal

Freitag, 6. November 2020

Kloster Schöntal | Allgemeines Das Rätsel um die Heilige Corona in Kloster Schöntal

CORONA liest man in großen goldenen Lettern über dem Bild einer Frau mit Heiligenschein: Diese Darstellung findet sich in der Klosterkirche von Schöntal, die mit ihrer reichen barocken Ausstattung viele Heiligenbilder und biblische Themen versammelt. Hat sich in Kloster Schöntal ein Zeugnis der barocken Corona-Verehrung in Hohenlohe erhalten?

 

GIBT ES EINE HISTORISCHE HEILIGE CORONA

Zuerst einmal: Es gibt eine Heilige Corona. Durch die aktuelle Pandemie gelangt eine fast vergessene frühchristliche Heilige wieder zu Bekanntheit. Den Legenden nach soll Corona im 2. Jahrhundert gelebt haben und dem Märtyrertod zum Opfer gefallen sein. Angerufen wird sie unter anderem als Schutzpatronin – gegen Seuchen. Und es gibt auch heute noch Altäre, Kapellen und Kirchen, die ihre geweiht sind, etwa in Bayern. In Niederösterreich steht sogar eine ihr gewidmete Wallfahrtskirche. Die Attribute, an denen man sie erkennt, sind ein Palmzweig – wie bei den meisten Märtyrern – , ein Goldstück oder ein Schatzkästchen, weil die Heilige auch in Gelddingen helfen soll, und eine Krone.

 

LEGENDE UND VEREHRUNG

Der Heiligenlegende nach soll Corona mit gerade einmal 16 Jahren im Zuge der Christenverfolgungen ums Leben gekommen sein. Die junge Frau verweigerte den römischen Göttern das Opfer und wurde deshalb zum Tod verurteilt. Wie so oft bei den frühchristlichen Legenden ist die Art ihrer Hinrichtung von großer Grausamkeit: Man habe sie, so die Überlieferung, zwischen zwei Palmstämme gebunden, die man zuvor zur Erde gebogen hatte. Losgelassen zerriss die Spannung der zurückschnellenden Bäume das Opfer.

 

VEREHRT IM GANZEN MITTELALTER

Im 6. Jahrhundert kamen wohl die ersten Reliquien der Heiligen Corona nach Italien und im 10. Jahrhundert nach Deutschland. Die Verehrung war verbreitet: Im Domschatz von Quedlinburg hat sich bis heute ein Corona-Schrein erhalten. Auch in den Domen in Bremen und in Aachen gibt es bis heute Zeugnisse einer starken Verehrung der Heiligen. Im Straßburger Münster findet sich sogar eine Corona-Darstellung auf einem der großen Glasfenster mit der Beschriftung S. CORONA.

 

DIE HEILIGE IN KLOSTER SCHÖNTAL?

Manche Besucherinnen und Besucher haben das barocke Fresko an einem der Pfeiler der Klosterkirche in Schöntal wahrscheinlich längst entdeckt. Das Gemälde zeigt eine weibliche Heilige im Ordenshabit und ihr gegenüber Christus, der ihr eine goldene Krone und einen (Märtyrer-)Kranz zur Wahl reicht. Auf dem ovalen Rahmen liest man oben „CORONA“ und unter dem Bild „POST SPINAS AUREA RESTAT“. Zu Deutsch: Nach den Dornen bleibt dir die goldene Krone. Und damit wird auch das Bildthema klar: Corona steht hier tatsächlich für das lateinische Wort „Krone“ und nicht als Name der dargestellten Person. Und die Heilige auf dem Gemälde in der Klosterkirche von Schöntal? Es ist die heilige Katharina von Siena, die nach dem Märtyrerkranz greift.

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