Grablege der Staufer mit viel Programm

Kloster Lorch

Szenen aus dem Klosterleben

Die Buchmalerei

in Lorch

Die Lorcher Chorbücher aus den Jahren 1511 und 1512 zeugen von der Hoch- und Glanzzeit des klösterlichen Lebens und Schaffens zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Lorch. Besonders schön: die Illustrationen der Bücher, die bis heute mit ihrer Lebendigkeit und Farbenpracht begeistern.

Detail der Chorbücher; Foto: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Joachim Siener

Auch Kurioses wird gezeigt: Mann mit Wiedehopf auf dem Kopf.

Kuriose und prächtige Illustrationen

Die Lorcher Chorbücher beinhalten Gesänge zu den Gottesdiensten – sortiert nach der Chronologie des Kirchenjahres. Bestechend schön sind die Illustrationen der Bücher. Insgesamt sind 108 Bildinitialen und Bordürenrahmen abgebildet, die den Beginn größerer kirchlicher Feste wie Fronleichnam oder Pfingsten markieren. 63 ornamentale Zierinitialen zeigen den Beginn kleinerer kirchlicher Feste an. Die Illustrationen zeigen häufig religiöse Szenen, aber auch Alltägliches aus der Umgebung des Klosters.

Seitenausschnitt aus den Chorbüchern; Foto: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

Randspalte mit drei Lorcher Äbten.

Die Kunst der Buchmalerei

In den Chorbüchern wird beispielsweise detailliert eine Prozession der Lorcher Mönche gezeigt. Viele Porträts und Wappen sind zu sehen, aber auch witzige Szenen: etwa ein Bauer, der Bären von seinen Bienenstöcken verjagt. Typisch für die Buchmalerei sind Ornamente, Randillustrationen und ganzseitige Bilder. Initialen, Zeilenausgänge, Blattränder oder ganze Seiten werden dabei verziert. Im Mittelalter sollten die kunstvollen Bilder das Verständnis der meist lateinischen Buchtexte erleichtern.

Illuminist Bertschi und seine Frau, dargestellt in einem Lorcher Chorbuch; Foto: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

Illuminist Bertschi und seine Frau Margareta bei der Arbeit.

Vom Kloster in die Werkstatt

Über Jahrhunderte hinweg lag die Kunst der Buchmalerei in den Händen von Mönchen. Doch bis zum frühen 16. Jahrhundert gründeten sich professionelle, städtische Werkstätten, die die Buchmalerei fast vollständig übernahmen. Kloster Lorch vergab seinen Auftrag zur buchmalerischen Gestaltung der Chorbücher an die Werkstatt des Augsburger Illuministen Nikolaus Bertschi (um 1480–1541/42). Schließlich galt Bertschis Werkstatt damals als Spezialbetrieb für die Illuminierung liturgischer Handschriften.

Buchillustration vor Ort

Man vermutet, dass die Lorcher Chorbücher vor Ort, also im Kloster Lorch, illustriert wurden. Dafür sprechen die Motive: Immer wieder sind Szenen aus der spätmittelalterlichen Welt des Klosters zu sehen. So scheint es, als ob die Künstler ihre Arbeit dort erledigt hätten. Die Größe des Lorcher Auftrags und der relativ kurze Zeitraum der Ausführung sind ein Indiz dafür, dass Bertschi und mehrere Mitarbeiter an den Buchmalereien beteiligt waren. Wer diese Mitarbeiter waren, ist jedoch nicht bekannt.

Das Kloster selbst scheint ein wichtiger Arbeitsort gewesen zu sein.

TIPP

Die Chorbücher werden in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart aufbewahrt. Einen Eindruck von den schönsten Seiten erhalten Sie in der Klosterkirche: Hier können Sie in farbechten Kopien der Chorbücher blättern und sich über das Entstehen der Chorbücher informieren.

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