Grablege der Staufer mit viel Programm

Kloster Lorch

Ausschnitt aus dem Titelblatt der gedruckten "Pfaff-Bibel"; Foto: M. Ernst Wahl
Zwischen Frömmigkeit und Wissenschaft

Die Bibel des

Christoph Matthäus Pfaff

1729 erschien die zweibändige sogenannte Pfaff-Bibel, verfasst vom Theologen Christoph Matthäus Pfaff. Sie sollte sowohl individueller Frömmigkeit dienen als auch den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Benutzung genügen. Es war die erste Bibel, die in Württemberg gedruckt werden konnte.

Luftaufnahme von Kloster Lorch; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Als Abt standen Pfaff die Klostererträge zu.

CHRISTOPH MATTHÄUS PFAFF

Christoph Matthäus Pfaff (1686–1760) war führender Theologieprofessor an der Universität Tübingen und hatte zugleich das Amt des Abtes von Kloster Lorch inne. Das war eine Position, die auch nach Auflösung des Lorcher Klosters durchaus begehrt war, da dem Abt die Erträge aus dem Klosterbesitz zustanden. Im armen Württemberg war es üblich, wichtigen Personen der Landes- und der evangelischen Kirchenverwaltung so eine bessere Entlohnung zu ermöglichen.

Ausschnitt des Gemäldes von Christoph Matthäus Pfaff in der Professorengalerie der Universität Tübingen; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Pfaff wollte vermitteln.

DIE INTENTION PFAFFS

Der Theologe Pfaff bemühte sich um eine Annäherung der verschiedenen theologischen Strömungen seiner Zeit. Als nützliche Grundlage für einen solchen Austausch setzte er sich dafür ein, eine Bibel zu veröffentlichen. Sie sollte mehr als nur den Text der Übersetzung von Martin Luther enthalten, so wie es die orthodoxen Theologen verlangten.

Ausschnitt aus dem Titelblatt der gedruckten "Pfaff-Bibel"; Foto: M. Ernst Wahl

Seine Bibel sollte wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

GEBETE, BILDER UND ERLÄUTERUNGEN

In seiner Bibel lieferte Pfaff nach jedem Kapitel des biblischen Textes eine kurze Zusammenfassung. Außerdem schrieb er zu jedem Abschnitt ein passendes Gebet. Um den damaligen Forderungen nach wissenschaftlicher Beschäftigung mit den Inhalten der Heiligen Schrift nachzukommen, fügte Pfaff beinahe lexikalisch anmutende Beiträge sowie Listen mit parallelen Bibelstellen, Worterklärungen und jüdischen Gebräuchen hinzu. Illustriert wurden die Texte von zahlreichen meisterhaft gestalteten Bildern.

DIE ERSTE IN WÜRTTEMBERG GEDRUCKTE BIBEL

Pfaffs Bibel war die erste, die in Württemberg gedruckt werden konnte. Bis ins 19. Jahrhundert hinein galt Württemberg als wirtschaftlich armes Land. Daher waren der Druck und das Verlegen von großformatigen Bibeln aus finanziellen Gründen im Herzogtum nicht möglich. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Bibeln in der Übersetzung von Martin Luther nur in den wohlhabenden Reichsstädten gedruckt. Erst 1729 erschien dann beim Cotta-Verlag die erste Auflage der Pfaff-Bibel, ein Jahr später folgte eine zweite Auflage.

TIPP

Ein Exemplar der zweibändigen Pfaff-Bibel ist im Besitz des Freundeskreises Kloster Lorch. Sie ist dauerhaft in der Klosterkirche in einer klimatisierten Vitrine zu sehen.

TIPP

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