Bedeutende Klosteranlage vor eindrucksvoller Kulisse

Kloster Hirsau

Südliche Klausur und Eulenturm von Kloster Hirsau; Foto: Stadtinformation Calw
EIN VORBILD FÜR ANDERE KLÖSTER

Dossier: Hirsauer

Reform und Baustil

Im 11. Jahrhundert war der sogenannte Investiturstreit entbrannt: Die Klöster versuchten, sich von der Macht der Fürsten zu befreien. Zugleich wollten sie zurück zur Strenge der ursprünglichen Ordensregeln. Hirsau war ein Zentrum dieser Klosterreformen in Deutschland und prägte den Baustil der Reformklöster.

Bildnis Abt Wilhelm von Hirsau im Reichenbacher Schenkungsbuch, um 1150; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Die Reform war sein Werk.

Abt Wilhelm und die „Hirsauer Verfassung“

Im Jahr 1079 schrieb Abt Wilhelm die neue Hirsauer Verfassung, auf lateinisch: „Constitutiones Hirsaugienses“. Darin legte er fest, wie die Ordensregel des heiligen Benedikt neu zu beleben sei. Nach dem Vorbild des französischen Klosters Cluny sollten Armut, Keuschheit und Gehorsam wieder die Grundlagen bilden. Damit sich die Mönche auf ihre geistliche Aufgabe konzentrieren konnten, nahm der Abt Laienbrüder für die körperliche Arbeit auf. Hirsau zog damit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten an.

Stiftskirche von Kloster Großcomburg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Das Kloster Großcomburg folgte dem Beispiel Hirsaus.

Weite Verbreitung in Deutschland

Die Wirkung, die von Hirsau ausging, war groß. Die Ausstrahlung der Abtei reichte weit über die Grenzen Südwestdeutschlands. Mönche trugen die Hirsauer Lebensweise in die Welt hinaus, ja sogar Klostergründungen nach dem Hirsauer Modell fanden statt. Heute noch lassen sich Einflüsse in Hessen, Thüringen oder Nordrhein-Westfalen finden. Insgesamt folgten über 120 Klöster der Reform von Hirsau, darunter Alpirsbach, Comburg, Paulinzella, Reichenbach und Zwiefalten.

Perspektivischer Grundriss von Konventsgebäude, Marienkapelle und Eulenturm von Kloster Hirsau aus dem Jahr 1933; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Lutz Hecker

Die Klosterreform ist auch in der Bauweise erkennbar.

Hirsauer Baustil

Äußeres Zeichen für den Einfluss von Kloster Hirsau ist der strenge Hirsauer Baustil, der sich auf viele kirchliche Bauten der Zeit auswirkte. Typisch sind Kirchen in Form einer Säulenbasilika mit flacher Decke und ohne Unterkirche oder Krypta. Kennzeichnend ist auch die Unterteilung des Chores in einen Bereich für Mönche und für Laienbrüder. Die Westfassade setzte mit ihren zwei Türmen ein mächtiges Zeichen. Heute noch am Hirsauer Eulenturm zu sehen sind die Würfelkapitelle mit der sogenannten Hirsauer Nase.

Hirsaus Einfluss auf andere Klöster

Kloster Hirsau prägte mit seinem schlichten und monumentalen Baustil viele Kirchen und Klöster der Romanik. Wandernde Laienbrüder verbreiteten den Hirsauer Stil in Deutschland. Daher findet man Motive und Einflüsse an vielen Kirchenbauten, etwa am Münster in Schaffhausen oder in der Klosterkirche von Alpirsbach.

Außenansicht von Kloster Alpirsbach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

In Kloster Alpirsbach, unweit von Hirsau, folgten die Mönche der Hirsauer Klosterreform und auch dem Hirsauer Baustil.

Mehr erfahren

Persönlichkeiten
Monumente & Funktionen
Kunstwerke & Räume
Arbeit & Vergnügen

Bitte wählen Sie maximal 5 Schlagwörter aus.