Bedeutende Klosteranlage vor eindrucksvoller Kulisse

Kloster Hirsau

Kloster Hirsau aus der Luft; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende
Geschichtsträchtiger Ort im Schwarzwald

Das Kloster

Eines der berühmtesten Benediktinerklöster im 11. Jahrhundert: Die geistliche und politische Bedeutung Hirsaus im Mittelalter war groß und spiegelt sich in seiner Architektur wider. Die baugeschichtlich bedeutenden Ruinen aus Romanik, Gotik und Renaissance sind heute noch sehenswert.

Tafel eines Flügelaltars aus dem 15. Jahrhundert mit den Heiligen Aurelius und Benediktus aus der Aureliuskirche; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Böhm

Aurelius ist der Namenspatron des ersten Klosters

Anfänge im frühen Mittelalter

In Hirsau gab es drei Klostergründungen. Wann die erste erfolgte, ist nicht eindeutig geklärt. Sie könnte um 830 stattgefunden haben, als aus Oberitalien die Reliquien des heiligen Aurelius hierher gelangten. Sie wurden in einem kleinen Kloster verehrt, das jedoch nicht lange bestand. Mitte des 11. Jahrhunderts wurde es auf päpstlichen Wunsch hin neu gegründet und mit Benediktinermönchen besetzt. Über den Mauern des ersten Klosters entstand ab 1059 das zweite Aureliuskloster mit einer neuen Kirche und Konventsgebäuden.

Brücke über die Nagold in Hirsau beim Kloster Hirsau; Foto: Stadtinfo Calw

Das neue Kloster entstand auf der anderen Seite der Nagold.

Die dritte Klostergründung

Der Mönch Wilhelm aus der Abtei St. Emmeram bei Regensburg wurde zum Abt des Aureliusklosters ernannt. Mit seiner Berufung begann die Blütezeit des Klosters. Es erhielt einen solchen Zulauf, dass es schon wenige Jahre nach seiner Gründung zu klein war. 1082 begannen die Bauarbeiten für eine neue Klosteranlage auf dem gegenüberliegenden Ufer der Nagold. Dieses dritte Kloster auf Hirsauer Boden wurde den Aposteln Peter und Paul geweiht. Das alte Aureliuskloster blieb als untergeordnetes Priorat bestehen.

Abt Wilhelm und die Hirsauer Reform

Das Peter- und-Paulskloster wurde zu einer der einflussreichsten Abteien im Römischen Reich. Abt Wilhelm entwickelte in seinem Kloster die Reformen der französischen Abtei in Cluny weiter, die eintrat für eine strengere Auslegung der Benediktsregel – mehr Askese, Disziplin und Gehorsam. Auch ein Leben in Armut und in brüderlicher Gemeinschaft wurde gefordert. Die Reformen von Abt Wilhelm entfalteten eine große Wirkung: Von Hirsau ausgehend wurden über 120 Klöster reformiert.

Gotische Spitzbögen in Kloster Hirsau; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele
Im Hintergrund: der Eulenturm von Kloster Hirsau; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Kloster Hirsau wurde zum Zentrum der Klosterreform, die eine strengere Auslegung der Ordensregeln forderte.

Jagdschloss von Kloster Hirsau; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Unter Herzog Ludwig entstand das Jagdschloss.

Aufhebung und Zerstörung

In der Reformation wurde das Kloster aufgehoben. Herzog Christoph von Württemberg ließ hier eine evangelische Klosterschule einrichten. Wenig später erbaute sich sein Sohn, Herzog Ludwig, an der Stelle des Abtshauses ein repräsentatives Jagdschloss. Nahezu die gesamte Klosteranlage wurde durch französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg Ende des 17. Jahrhunderts zerstört. Ihre Ruinen dienten lange Zeit als Steinbruch, bis schließlich ab 1850 die denkmalpflegerische Sicherung des Geländes begann.

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