Kommen. Staunen. Geniessen.
Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Aktuell im NovemberKunstführer „Gräber, Grüfte, Gottesäcker“

Der neue Kunstführer „Gräber, Grüfte, Gottesäcker“ bietet einen ungewöhnlichen Rundgang durch die südwestdeutsche Kulturgeschichte: 24 Gräber und Monumente aus mehr als 4.000 Jahren werden darin vorgestellt. Der Band setzt einen Schlusspunkt hinter das Themenjahr 2020 „Unendlich schön. Monumente für die Ewigkeit“.

Kunstführer „Gräber, Grüfte, Gottesäcker“

Der Kunstführer vor der Grabkapelle auf dem Württemberg.

Publikation im Themenjahr „Unendlich schön“

Schönheit und Vergänglichkeit – das sind die beiden Pole des Themenjahres 2020. Der neue Kunstführer soll eine Einladung sein, sich auf eine Entdeckungsreise in einen Bereich der Kulturgeschichte zu begeben, der oft außerhalb unseres Blicks liegt. Der Rundgang führt durch insgesamt 24 Gräber, Grabanlagen, Mausoleen und Erinnerungsorte in ganz Baden-Württemberg.

Hockergrab der Jungsteinzeit

Faszinierender Fund.

Bestattung 2.500 Jahre vor Christus

Der Autor, der Historiker Urs Brachthäuser, erzählt zu den Monumenten auch die Geschichten der dort begrabenen Personen. Die älteste Bestattung, die der Band vorstellt, ist ein Hockergrab der Jungsteinzeit. Die vierköpfige Familie, im Tod eng verbunden, eröffnet einen verblüffenden Blick in die Besiedlung der Hohenloher Region etwa 2.500 Jahre vor Christus. Der Fund gehört zu den Höhepunkten der Sammlung im Residenzschloss Mergentheim.

DIE GRABKAPELLE ALS EIN HERAUSRAGENDES MONUMENT

Zu den spätesten Monumenten, die der Band behandelt, gehört die Großherzogliche Grabkapelle im Hardtwald in Karlsruhe. Dieses herausragende Bauwerk vom Ende des 19. Jahrhunderts gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der Grabmalkultur – und das gilt für das künstlerische Niveau, aber auch für die persönliche und emotionale Geschichte, die sich mit diesem Mausoleum für den jung verstorbenen badischen Prinzen Ludwig Wilhelm verbindet. Zur Grabkapelle wird, reich bebildert, die anrührende Geschichte ihrer Entstehung erzählt. Und es fehlt auch nicht der Hinweis auf den Grabstein des Pudels Treu, enger Begleiter der Großherzogin Luise.

Innenansicht der Gruft in der Grabkapelle Karlsruhe

Blick in die Gruft der Grabkapelle Karlsruhe.

Kloster Lorch, Grablege

Die Grabmale der Familie von Woellwarth im Kloster Lorch.

FACETTENREICHES BILD EINER EIGENEN WELT

Orte der Erinnerung, Zeichen der Macht, Kunstwerke höchster Vollendung und Instrumente der Selbstdarstellung: Gräber, Grüfte und Grablegen in Schlössern, Klöstern, Kirchen und Kapellen erfüllten für Tote und Lebenden unterschiedlichste Funktionen. Prominent platziert und opulent oder versteckt und bescheiden bringen die Grabmäler nicht nur die dort beigesetzten Frauen, Männer – und sogar Tiere – näher, sondern geben auch Aufschluss über Jenseitsvorstellungen, Bestattungsbräuche, Gesellschaftsformen und Ereignisse ihrer Zeit.

THEMATISCHE VIELFALT, GEOGRAPHISCHE BREITE

Grüfte und Grabeskirchen der Herrscherdynastien wie sie sich etwa unter den Schlosskirchen in Mannheim, in Bruchsal oder Ludwigsburg erhalten haben, stehen den großen Monumenten der geistlichen Herren in den ehemaligen Klöstern, von Kloster Großcomburg über Bebenhausen, Maulbronn, Alpirsbach oder Salem gegenüber. Einen ganz eigenen Rang haben die beiden großen Mausoleen des 19. Jahrhunderts, die Grabkapellen in Karlsruhe und in Stuttgart auf dem Württemberg. Ebenso werden aber auch die Grabhügel der keltischen Führungsschicht in der Umgebung der Heuneburg – Stadt Pyrene ins Licht gerückt. Immer wieder eröffnet das Buch den Blick auf ungewöhnliche Orte.

Heuneburg, Hügel
Großherzogliche Grabkapelle Karlsruhe, der Sohn von Friedrich und Luise
Skulptur „Paar“ von Karl-Heinz Türk im Garten der Sammlung Domnick

Grabhügel bei der Heuneburg,Kenotaph Prinz Ludwig Wilhelms von Baden, Skulptur „Paar“ von Karl-Heinz Türk im Garten der Sammlung Domnick (v.l.n.r.)

Service

DIE DATEN DES BUCHS

    Urs Brachthäuser: Gräber, Grüfte, Gottesäcker.
    Imhof Verlag Petersberg, 2020. 80 S., zahlr. farbige Abb. 12,5 x 23,5 cm, kartoniert.
    ISBN 978-3-7319-1031-2; 6,00 €
    Der Kunstführer ist an den Kassen der Monumente erhältlich, die im Text vorkommen, und außerdem im Buchhandel.

    DER AUTOR

      Dr. Urs Brachthäuser ist Historiker und Kulturwissenschaftler und wurde an der Universität Heidelberg über ein historisches Thema promoviert. Seit 2019 ist er als wissenschaftlicher Volontär bei den Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg tätig.