Grablege der Staufer mit viel Programm

Kloster Lorch

Hauptrolle in der Passionszeit

Das Kruzifix

Aus der Klosterzeit haben sich in Lorch nur wenige Stücke der Ausstattung erhalten. Eine kostbare Skulptur befindet sich noch heute im Chor der ehemaligen Klosterkirche: ein Kruzifix aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Resten der originalen Bemalung.

Nahaufnahme des Kruzifixes der Klosterkirche Lorch; Foto: Stadt Lorch

Eine große Skulptur mit kleinem Geheimnis.

Meisterwerk aus Ulmer Werkstatt

Entstanden ist die mächtige Figur in einer Ulmer Werkstatt. Die alte Reichsstadt an der Donau war ein Zentrum der Bildschnitzerei in der späten Gotik. Das Lorcher Kruzifix gibt eine Besonderheit preis, wenn man die Skulptur näher betrachtet. Die Schultergelenke des toten Christus sind bewegliche Scharniere, die Arme der Figur können an den Körper angelegt werden. Warum gab man vor über 500 Jahren dieser Skulptur am Kreuz bewegliche Arme?

Passionskonzert in der Klosterkirche Lorch; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Roland Schwarz

Konzert mit gregorianischen Gesängen.

Requisit der Passionsliturgie

In der Passionszeit, an den Tagen vor Ostern, wurde die Leidensgeschichte Christi nachvollzogen. Bei solchen Passionsspielen kam das bewegliche Kruzifix zum Einsatz: Der Leib des toten Christus wurde feierlich im Gottesdienst vom Kreuz genommen, die Arme an den Körper gelegt, der hölzerne „Leichnam“ in Tücher gehüllt und zu Grabe getragen. Diese Tradition hat sich mancherorts bis ins 17. Jahrhundert erhalten. Auch das Lorcher Kruzifix war einst ein wichtiger Bestandteil der Gottesdienste der Passionszeit.

Anschauliche Leidensgeschichte

Die Kunstwerke in einer Kirche hatten eine Funktion in den Gottesdiensten. Besonders in der Passionszeit gab es liturgische Traditionen, die mit drastischen Mitteln die Leidensgeschichte Christi zum Erlebnis machten. Viele Kirchen besaßen ein „Heiliges Grab“ nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem. Dort bestattete man am Karfreitag die Christusfigur. Ebenso plastisch feierte man an Ostern dann seine Auferstehung. Solche „Heiligen Gräber“ gibt es in den Klosterkirchen von Schussenried und Schöntal.

Blick in den Kirchenraum mit Kruzifix, Kloster Lorch; Foto: Stadt Lorch

Das Kruzifix beherrscht den Kirchenraum.

Kostbares Zeugnis der einstigen Spiritualität

Die Klosterkirche von Lorch hat über die Jahrhunderte fast alles verloren, was sie im Mittelalter an Reichtum besaß. Das Kruzifix aus einer hochkarätigen Werkstatt in Ulm ist fast das letzte Zeugnis dieser Fülle. Heute ist die alte Figur nicht mehr im Gebrauch, dafür ist sie zu empfindlich. Aber auch, wenn man sie an ihrem angestammten Platz in der Kirche sieht, erkennt man: Einst muss der Besuch eines Gottesdienstes im Benediktinerkloster Lorch ein eindrucksvolles Erlebnis gewesen sein.

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