Das Heilige Grab in der Klosterkirche Schöntal; Foto: Muhle

Die Glaubensbotschaft als barocke Inszenierung

Das Heilige Grab

Ein Heiliges Grab wie in der barocken Klosterkirche Schöntal diente katholischen Gläubigen zum Nachempfinden der Passionsgeschichte in der Karwoche – als dramatische Inszenierung waren solche Großskulpturen im 18. Jahrhundert ein besonderes Mittel der Gegenreformation.

Heiliges Grab in Kloster Schussenried; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Das Heilige Grab in Kloster Schussenried.

Dramatische Inszenierung der Passion

Der religiöse Brauch, ein Heiliges Grab zu errichten, geht auf das frühe Mittelalter zurück. Angeregt von den damals häufiger unernommenen Pilgerfahrten nach Jerusalem schuf man vielerorts Andachtsstätten in den Seitenkapellen. Aber vor allem nach der Reformation wurde in den katholischen Kirchen als Gegenpol zur Bilderfeindlichkeit der Protestanten auf Volkstümlichkeit, Leidenschaft und Pathos gesetzt, um die Emotionen der Gläubigen anzusprechen.

Das Heilige Grab in der Klosterkirche Schöntal; Foto: Muhle

Gottesdienste nutzten das Heilige Grab bis 1955.

Zeugnis für das Leiden Christi

Um 1790 gestaltete Georg Schäfer das Heilige Grab für das südliche Querschiff der Klosterkirche. Genutzt wurde es bis etwa 1955 für die Gottesdienste zwischen Gründonnerstag und Ostern. Der Tod Christi, seine Grablegung und die Auferstehung wurden den Gläubigen auf dramatische Weise vor Augen geführt.

Detailansicht Heiliges Grab in der Klosterkirche Schöntal; Foto: Muhle

Die realistische Abbildung verstärkt die Aussage.

Barocke Inszenierung

Die barocke Inszenierung des Heiligen Grabes und die realistische Darstellung des toten Christus im Grab verstärkten die christliche Botschaft. Der Grabaufbau ist an der Geschichte der Auferstehung orientiert. In der oberen Grabhälfte öffnet sich ein Tabernakel, umgeben von Wolken und Puttenköpfen. Der Tabernakel ist drehbar und zeigt drei verschiedene Ansichten: Passend zu den anderen Szenen kann er verwandelt werden.

Lichteffekte steigern die Wirkung

Das Heilige Grab bietet eine imposante Beleuchtung mit Leuchterarmen und Lampenhalterungen. In den Seitenwänden der Grabnische wurden Nischen für Kerzen versteckt, um das dramatische Geschehen mit einem weiteren Lichteffekt zu betonen. Auf dem Grabfelsen sind kleine Glassplitter angebracht, die das flackernde Licht reflektieren und somit den Kerzenscheineffekt eindrucksvoll verstärken.

Das Heilige Grab am Gründonnerstag im Kloster Schöntal; Foto: Muhle
Das Heilige Grab am Karfreitag im Kloster Schöntal; Foto: Muhle
Das Heilige Grab am Karsamstag im Kloster Schöntal; Foto: Muhle

Das Heilige Grab am Gründonnerstag (links), am Karfreitag (mittig) und am Karsamstag (rechts).

Mit dem Kran erfolgt die Positionierung des Heiligen Grabes; Foto: Felix Muhle

Das Heilige Grab kommt an seinen ursprünglichen Platz.

Das Heilige Grab heute wieder am historischen Ort

Das Heilige Grab wurde nach 1955 als unmodernes Requisit auf eine Empore verbannt. Nach einer aufwändigen Restaurierung steht die Großskulptur heute wieder an ihrem historischen Ort im Querschiff hinter dem Chorgitter. Mittlerweile integriert die katholische Kirchengemeinde Schöntal das Heilige Grab wie früher in die Gottesdienste der Passionszeit. Das Heilige Grab kann bei Klosterführungen besichtigt werden.

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