Ansicht von Kloster Schöntal

Barockes Gesamtkunstwerk an der Jagst

Das Kloster und der Garten

Das imposante Zisterzienserkloster ist die besterhaltene Klosteranlage Nordwürttembergs. Reizvoll gelegen im Tal der Jagst, fällt beim Näherkommen sofort die beeindruckende Fassade mit den Doppeltürmen ins Auge – Zeichen für ein einst blühendes und mächtiges Kloster in Hohenlohe.

Grabbildnis des Ritters Götz von Berlichingen im Kreuzgang von Kloster Schöntal; Foto: Foto Besserer

Das Grabmal Götz von Berlichingens im Kreuzgang.

Maulbronner Tochterkloster

Die Abtei entstand als Ableger von Kloster Maulbronn. Der Edelfreie Wolfram von Bebenburg stiftete das Kloster Mitte des 12. Jahrhunderts zunächst in Neusaß südlich von Schöntal. Kurze Zeit später wurde das Kloster wenige Kilometer entfernt in Schöntal neu gegründet. Das Gelände dort stellten die Herren von Berlichingen zur Verfügung, die dafür das Recht der Grablege im Kreuzgang erhielten. Die Anlage vereint die Alte und die Neue Abtei sowie den Klostergarten, der in Teilen rekonstruiert wurde.

Christus-Vision des Bernhard von Clairvaux, Tafelbild um 1485

Gebaut wurde nach Vorschriften der Zisterzienser.

Ein traditioneller Ordensbau

Der Bau des Klosters im Mittelalter erfolgte nach den Ordensvorschriften der Zisterzienser, nach denen die Anlage von einem Gewässer durchflossen werden musste. Um den Kreuzgang herum gruppierten sich alle Bauten, die für das Klosterleben nötig waren. Die Regeln sahen außerdem eine schlichte Kirche vor, ohne Figurenschmuck und hohen Turm. Der Chor wurde rechteckig abgeschlossen. Die prächtige Doppelturmfassade entstand erst im 18. Jahrhundert.

Luftansicht von Kloster Schöntal; Foto: Foto Besserer

In der Kilianskapelle fanden die Gebete statt.

Gebet und Arbeit bestimmen den Alltag

Auch Wirtschaftsgebäude wurden beim Bau der Klosteranlage eingeplant, da die Gemeinschaft der Mönche über Landbesitz verfügte und von der Feldbewirtschaftung lebte. Das Gebet und der Gottesdienst nahmen die Geistlichen im Klosteralltag zeitlich stark in Anspruch. Laienbrüder und Bauern aus der Umgebung verrichteten die Arbeit auf dem Feld oder im Klosterhof. Sie benutzten die eigens für sie errichtete gotische Kilianskapelle am Rand des Klosterareals für ihre Gebete.

Porträt von Abt Knittel, 1726/27; Foto: Foto Besserer

Abt Knittel brachte den Barock nach Schöntal.

Umbau im Barock prägt die Klosteranlage bis heute

Nach dem Bauernkrieg und dem Dreißigjährigen Krieg vollzog sich ein architektonischer Wandel. Renaissance-, Barock- und Rokoko-Elemente gaben dem Kloster ein neues Aussehen – von der mittelalterlichen Anlage blieb nicht viel übrig. Abt Benedikt Knittel verdankt Schöntal sein barockes Gesamtbild. Nach der Säkularisation und der Aufhebung des Klosters zog ein evangelisch-theologisches Seminar in die Gebäude ein. Heute beherbergt die neue Abtei ein Bildungshaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Versenden
Drucken