Netzrippengewölbe des Kreuzgangs, Kloster Lorch

Neun Jahrhunderte in einem Monument

Stilgeschichte

An Kloster Lorch wurde immer wieder gebaut: In neun Jahrhunderten erlebte das Kloster alle Epochen von der Romanik bis zur Gegenwart. Dennoch blieb sogar aus der Gründungszeit um 1100 noch vieles erhalten – und manches ist den genauen Blick wert.

Kapitell mit Drachen, Detail aus der Klosterkirche Lorch

Fein ausgearbeitetes Kapitell mit Drachen.

Romanik unter den Staufern

Aus der Gründungszeit des Klosters, dem 12. Jahrhundert, hat sich die Klosterkirche erhalten. Monumental ist der Eindruck, wenn man das Kirchenschiff mit seinen mächtigen Pfeilern betritt. Typisch romanisch öffnet sich die Mittelschiffwand in runden Bögen zu den Seitenschiffen und in den Fenstern in der oberen Zone. Die feinen Reliefs, die die Kapitelle der Vierung schmücken, stammen wohl aus der Zeit um 1200. Sie wurden aber, man erkennt das an der Präzision der Arbeit, im 19. Jahrhundert überarbeitet.

Magnolien vor dem Kreuzgang im Kloster Lorch; Foto: Johannes Schmiedt

Magnolien im Klostergarten – eine Pracht im Frühjahr.

Zweite Blütezeit in der Gotik

Feines gotisches Maßwerk in den Fenstern und ein raffiniertes Netzgewölbe im Chor: Heute noch ist zu sehen, wie die Klosterkirche in der späten Gotik auf den neuesten Stand gebracht wurde. Dem Kloster ging es gut, sodass alles erneuert und erweitert werden konnte. Aus dieser Zeit am Ende des 15. Jahrhunderts stammt noch mehr: etwa das mächtige Kruzifix, die Staufertumba und die meisten Grabmäler der Woellwarths. Und natürlich der Kreuzgang und die Säle in der Prälatur, im Refektorium und Kapitelsaal.

Renaissance und Barock

Als die Klosterkirche 1525, nach dem Bauernkrieg, mit den Stauferwandbildern ausgemalt wurde, war eine neue Zeit angebrochen: Die Bildnisse zeigen Menschen in Renaissancetracht. Die Stauferherrscher tragen kurze, stoffreiche Mäntel wie die mächtigen Patrizier des 16. Jahrhunderts und dazu breite Kuhmaulschuhe. Diese typischen Elemente haben sich über die vielen Restaurierungen der Wandbilder erhalten. Eine ungewöhnliche Entdeckung für die Barockzeit bietet die Wandvertäfelung in der Prälatenstube.

Blick auf den Marsiliusturm, Kloster Lorch, im Vordergrund Schafweide; Foto: Ulrich Rund

Im 19. Jahrhundert ergänzt: der Marsiliusturm.

Mittelalterbegeisterung im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert entdeckte die Vergangenheit wieder: Besonders die Kunst des Mittelalters löste Begeisterung aus. Damals wurden an vielen Orten die unvollendeten Kathedralen fertig gebaut, etwa in Ulm oder in Köln. In Lorch entfernte man, was als untypisch für das Mittelalter galt, oder ergänzte, was wichtig erschien. An der Westfassade entstand einer der Türme neu: Der romanische Marsiliusturm, von dem nur die unteren beiden Geschosse noch standen, erhielt wieder eine respektable Höhe und sein steinernes Dach.

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