Luftaufnahme der Klosterkirche Lorch

Herrscher, Adlige und Äbte

Die Grablegen in der Klosterkirche

Die Staufer gründeten Lorch als Grablege. Doch nicht nur Mitglieder der mächtigen Herrscherfamilie liegen in der Klosterkirche begraben. Auch andere Adelige aus der Region stifteten Grabmäler für ihre Angehörigen. Nicht zuletzt diente die Kirche als Ruhestätte der Lorcher Äbte.

Deckplatte der Staufertumba mit Stauferwappen, Kloster Lorch; Foto: Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Sammlung Hildenbrand

Aufwendig gestaltet: die Deckplatte der Tumba.

Die Staufer-Tumba im Mittelschiff

Auffällig in der Mitte des Kirchenschiffs steht die Staufer-Tumba. Der spätgotische Sarkophag, geschaffen von einem Bildhauer aus Göppingen, enthält die prominenten Toten der Klosterkirche. Zwei der vier Eckfiguren tragen ein Kirchenmodell – es handelt sich also um die Stifter des Klosters, Herzog Friedrich und Agnes von Waiblingen oder um deren Sohn, König Konrad III., und seine Frau Gertrud. Die Grabplatte zeigt das Staufer-Wappen mit den berühmten drei Löwen, heute noch Teil des Landeswappens von Baden-Württemberg.

Seitenansicht der Staufertumba von Kloster Lorch; Foto: Ulrich Rund

Ein wichtiges Denkmal für die Mönche.

Erinnerung an eine gloriose Vergangenheit

Abt Nikolaus Schenk von Arberg war es, der 1475 alle Gräber öffnen ließ und die vorhandenen Überreste der Staufer in der Tumba im Mittelschiff sammelte. Jedes Jahr am 2. September begingen die Mönche den Staufer-Gedenktag. Die Staufer, die berühmte Gründerfamilie, war damals längst ausgestorben. Doch die Mönche sollten sich an die ruhmreiche Vergangenheit von Kloster Lorch erinnern, um in ihren erfolgreichen Reformen nicht nachzulassen – das Kloster genoss nach langen Jahren der Krise eine neue Blüte.

Grabmal des Abtes Sebastian Sitterich, Kloster Lorch; Foto: Ulrich Rund
Grabmal des Abtes Nikolaus Schenk von Arberg, Kloster Lorch; Foto: Ulrich Rund

Mit kunstvoll gestalteten Grabplatten gedachte man wichtiger Äbte.

Die Grabmäler der Äbte

Manche der zahlreichen Grabplatten sind schlicht mit Wappen und Inschrift, andere aufwendig mit figürlichen Darstellungen der Verstorbenen verziert. Dazu zählen die Grabplatten von Lorcher Äbten, dargestellt mit Mitra und Abtsstab zum Zeichen ihrer Abtswürde: beeindruckend beispielsweise das Grabmal von Abt Nikolaus Schenk von Arberg oder von Abt Sebastian Sitterich. Außerdem nutzte die örtliche Adelsfamilie von Schechingen, die über längere Zeit hinweg Lorcher Äbte stellte, das südliche Querschiff als Grablege.

Grabplatten in der Klosterkirche Lorch; Foto: Ulrich Rund

Detailreich gestaltete Grabplatten.

Die Mauritiuskapelle: Grablege der Familie Woellwarth

Die Hirnschale des heiligen Mauritius wurde als wertvolle Reliquie im nördlichen Querschiff verehrt. Die Familie von Woellwarth, Adelige der Region, stiftete seit dem 13. Jahrhundert für den Mauritiusaltar. Daher durfte sie sich in der Nähe ihre Grablege einrichten. Heute stehen die 2002 restaurierten Grabplatten an den Wänden. Die Bildnisse zeigen Ritter in prächtiger Rüstung und sind schockierend drastisch. Manche der Dargestellten werden von Würmern zerfressen: ein Bild der Vergänglichkeit alles Irdischen.

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