Bildnis Herzog Ulrichs von Württemberg, Holzschnitt von Hans Brosamer um 1540

Erster protestantischer Fürst

Ulrich von Württemberg

Ulrich von Württemberg (1487–1550) zählt zweifellos zu den herausragenden, aber auch umstrittensten Personen der württembergischen Landesgeschichte. Sein Schicksal war untrennbar mit dem seines eigenen Herzogtums verknüpft, das er zeitweise verlor. In Hirsau führte er die Reformation ein.

Bildnis Herzog Ulrichs von Württemberg, Holzschnitt von Hans Brosamer

Er vertraute niemandem in seiner Umgebung.

Wie sah die Kindheit Herzog Ulrichs aus?

Ulrich von Württemberg hatte keine glückliche Kindheit: Seine Mutter starb wenige Tage nach seiner Geburt, der als geistesgestört bezeichnete Vater war 1490 auf der Burg Hohenurach inhaftiert. Seine Vormünder, Vertreter der Stände, verfolgten eigene strategische Interessen und gaben sich bei der Erziehung und Ausbildung des Jungen keine Mühe. Als Erwachsener war Ulrich misstrauisch und rücksichtslos gegen die Menschen in seiner Nähe.

Faksimile-Ausschnitt aus dem Tübinger Vertrag vom 8.7.1514 zwischen Herzog Ulrich von Württemberg und der Landschaft Württemberg

Der Vertrag regelte Fragen der Regierung.

Wie regierte Ulrich als Herzog von Württemberg?

Zahlreiche Kriegszüge und Ulrichs aufwendiger Lebensstil verschlangen Unsummen aus der Staatskasse. Um einen weiteren Feldzug finanzieren zu können, erhob er deshalb neue außerordentliche Steuern, die vor allem die arme Bevölkerung trafen. Die Unzufriedenheit der Bauern mit seinem Regierungsstil mündete 1514 in den Aufstand des „Armen Konrad“. Zusammen mit den reichsten Bürgern des Landes, denen er weitreichende Zugeständnisse bei der politischen Mitbestimmung machte, schlug er den Bauernaufstand nieder.

Holzschnitt zur Ermordung Hans von Huttens durch Herzog Ulrich von Württemberg

Der Herzog ermordete seinen Stallmeister.

Warum verlor Ulrich sein Herzogtum?

Als Ulrich seinen Stallmeister Hans von Hutten, den Ehemann seiner Geliebten, ermordete und die Reichsstadt Reutlingen überfiel, wurde er vom Schwäbischen Bund 1519 aus dem Land vertrieben. Der Herzog floh nach Mömpelgard. Durch Kaiser Karl V. wurde Württemberg dem Haus Habsburg unterstellt und kam so unter österreichische Herrschaft. Die Rückkehr in sein Herzogtum gelang Ulrich erst 1534 durch die Unterstützung Landgraf Philipps I. von Hessen, einem der einflussreichsten protestantischen Fürsten im Reich.

Jagdschloss in Kloster Hirsau, Foto: Stadtinformation Calw

Das Schloss seines Enkels Herzog Ludwig.

Was tat Herzog Ulrich nach seiner Rückkehr?

Sofort nach seiner Rückkehr führte Herzog Ulrich in Württemberg die Reformation ein. Hirsau und zahlreiche weitere Klöster wurden aufgelöst, eine neue Kirchenordnung trat in Kraft. Kirchengüter und deren Einkünfte wurden dem Landesvermögen einverleibt. Der neue Glauben bewirkte eine Modernisierung in Württemberg: Mit der Einführung der Reformation stellte Ulrich entscheidende Weichen im Erziehungs- und Bildungswesen. Er starb 1550 und liegt in der Stiftskirche in Tübingen begraben.

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