Bildnis Herzog Ulrichs von Württemberg, Ölgemälde von unbekanntem Künstler; Foto: wikipedia_gemeinfrei

Erster protestantischer Fürst

Ulrich von Württemberg

Ulrich von Württemberg (1487–1550) zählt zweifellos zu den herausragenden, aber auch umstrittensten Personen der württembergischen Landesgeschichte. Sein Schicksal war untrennbar mit dem seines Herzogtums verknüpft, das er zeitweise verlor. Er führte die Reformation ein, was die Auflösung der Hirsauer Klosterlebens zur Folge hatte.

Herzog Ulrich von Württemberg, Holzschnitt von Hans Brosamer; Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Foto: Robert Bothner

Er vertraute niemandem in seiner Umgebung.

Wie war Ulrichs Kindheit?

Ulrich hatte keine glückliche Kindheit: Seine Mutter Gräfin Elisabeth von Zweibrücken-Bitsch starb kurz nach seiner Geburt. Sein als geistesgestört bezeichneter Vater Heinrich von Württemberg war von 1490 bis zu seinem Tod auf der Burg Hohenurach inhaftiert. Seine Vormünder, Vertreter der Stände, verfolgten eigene machtpolitische Interessen und gaben sich bei der Erziehung des Jungen keine Mühe. Als Erwachsener war Ulrich misstrauisch, aufbrausend und rücksichtslos.

Kohlezeichnung der Herzogin Sabina von Bayern, ca. 1530; Foto: wikipedia_gemeinfrei

Sabina von Bayern stammte aus einer mächtigen Dynastie.

Wie regierte Ulrich als Herzog von Württemberg?

Schon mit elf Jahren wurde Ulrich von Kaiser Maximilian I. als Herzog von Württemberg eingesetzt. Zugleich arrangierte der Kaiser aus politischem Kalkül eine Heirat mit seiner Nichte Sabina von Bayern. Ulrichs feudaler Lebensstil und häufige Kriegszüge verschlangen Unsummen. Um weitere Feldzüge zu finanzieren, erhob er neue Steuern. Besonders betroffen waren die Armen und ihre Unzufriedenheit mündete 1514 in den Aufstand des „Armen Konrad“. Zusammen mit den reichsten Bürgern des Landes schlug Ulrich den Bauernaufstand nieder.

Warum verlor Ulrich sein Herzogtum?

Ulrichs Ehe mit Sabina von Bayern war ein einziges Drama: Streit, Gewalt und Eklats bestimmten den Alltag. Ulrich hatte Affären und ermordete aus Eifersucht den Ehemann seiner Geliebten. Dies führte dazu, dass Sabina die Flucht ergriff und offen gegen ihn opponierte. Ihr Onkel Kaiser Maximilian I. verhängte die Reichsacht über Ulrich. Als der widerspenstige Herzog die Reichsstadt Reutlingen überfiel, wurde er 1519 aus dem Land vertrieben. Er floh nach Mömpelgard, während sein Herzogtum an das Haus Habsburg fiel. Die Rückkehr gelang Ulrich erst 1534 durch die Unterstützung Philipps I. von Hessen, einem der einflussreichsten protestantischen Fürsten im Reich.

Ulrich von Württemberg ermordet Hans von Hutten, Kupferstich; Foto: wikipedia_gemeinfrei
Wappen des Herzogtums Württemberg am Alten Schloss Stuttgart, Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg/ Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth
Die Grafschaft Mömpelgard 1616, Landtafel von Heinrich Schickhardt; Foto: wikipedia_gemeinfrei

Die Acht bedeutete den zeitweiligen Verlust des Herzogtums und Flucht nach Mömpelgard.

Ulrich von Württemberg, Holzschnitt von Hans Brosamer um 1540; Foto: wikipedia_gemeinfrei

Mit neuem Glauben kehrte Ulrich an die Macht zurück.

Warum wurde Ulrich Protestant?

Der auf der Festung Hohentwiel in der Verbannung lebende Ulrich trat 1525 der „evangelischen Bruderschaft“ um den Bauernführer Hans von Bulgenbach bei. Ob Ulrich sich dadurch erhoffte, Söldner aus dem Bauernkrieg für seine Interessen mobilisieren zu können, oder ob er sich geistig reformiert hatte, muss offen bleiben. Nachdem Ulrich 1534 nach Württemberg zurückgekehrt war, machte er sein Herzogtum jedenfalls zu einem der ersten protestantischen Territorien des Heiligen Römischen Reiches.

Das Grab Ulrichs in der Stiftskirche Tübingen; Foto: wikipedia_gemeinfrei

Unter seiner Herrschaft modernisierte sich Württemberg.

Was tat Ulrich nach seiner Rückkehr?

Der Herzog führte in Württemberg die Reformation ein. Hirsau und weitere Klöster wurden aufgelöst, Kirchengüter und deren Einkünfte dem Landesvermögen einverleibt. Eine neue Kirchenordnung galt ab 1536. Im selben Jahr trat Württemberg dem protestantischen Schmalkaldischen Bund gegen Kaiser Karl V. bei. Die Reformation bewirkte eine Modernisierung im Herzogtum: Entscheidende Weichen für das Erziehungs- und Bildungswesen wurden gestellt. Ulrich starb 1550 und liegt in der Stiftskirche in Tübingen begraben.

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