Gotisches Relief in Kloster Hirsau, wohl aus dem 14. Jahrhundert

Rückblicke in Hirsaus lange Geschichte

Wissenswert und amüsant

Das weitläufige Benediktinerkloster Hirsau im Tal der Nagold präsentiert rund 1000 Jahre Geschichte in Südwestdeutschland: Einst spielte es im Investiturstreit eine wichtige Rolle. Seit dem 18. Jahrhundert und bis heute locken die romantischen Ruinen Besucher nach Hirsau.

Romanisches Langhaus, Blick nach Osten, Klosterkirche St. Aurelius in Kloster Hirsau

Papst Leo IX. stieß die Neugründung an.

Ein Papst macht Druck

Leo IX., ein Papst deutscher Abstammung, stand mit den Grafen von Calw durch verwandtschaftliche Beziehungen in engem Kontakt. Laut einer Überlieferung soll er bei einem Besuch im Schwarzwald im Jahr 1049 nachdrücklich darauf bestanden haben, dass sein Neffe Graf Adalbert II. das verfallene Kloster an seinem Wohnort Calw neu gründen solle. Gut zehn Jahre später erfolgte schließlich die zweite Grundsteinlegung für das Kloster St. Aurelius, das der Graf mit Gütern aus seinem Besitz ausstattete.

Modell des Benediktinerklosters St. Peter und Paul in Hirsau mit herzoglich-württembergischem Jagdschloss

St. Peter und Paul entstand nahe der ersten Abtei.

Reiche Abtei mit Einfluss

St. Aurelius konnte sich bald über einen regen Zulauf und umfangreiche Landschenkungen freuen. Keine 20 Jahre nach seiner Gründung stieß das Kloster schon an seine Grenzen. Daher fasste Abt Wilhelm 1082 den Entschluss, in unmittelbarer Nachbarschaft den Grundstein zu einer zweiten, größeren Abtei zu legen. Im Investiturstreit, dem Konflikt zwischen Papst und Königen ab 1076, stand das neue, St. Peter und Paul gewidmete Kloster auf der päpstlichen Seite und spielte eine herausragende kirchenpolitische Rolle.

Blick zum Eulenturm im Kloster Hirsau

Eine Armee zerstörte das Kloster im 17. Jahrhundert.

Zerstörung nach 700 Jahren

In seiner gut 700-jährigen Geschichte standen dem Kloster insgesamt 59 Äbte vor. 18 von ihnen waren evangelisch und leiteten die von Herzog Christoph hier im Jahr 1556 eingerichtete evangelische Klosterschule. Der letzte Abt verließ Hirsau 1692, nachdem französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg das Kloster mit der Schule und das herzogliche Schloss in Schutt und Asche gelegt hatten. Noch stehende Mauern wurden entweder dem Verfall preisgegeben oder dienten später als Steinbruch.

Ruinen des Jagdschlosses von Kloster Hirsau

Einst war das Schloss ein beeindruckender Bau.

Mauerreste mit schattigen Baumriesen

Die baugeschichtlich wichtigen Ruinen von Hirsau vereinen verschiedene Baustile. So finden sich hier die Reste einer Säulenbasilika, die einmal die größte romanische Kirche Südwestdeutschlands gewesen war, und die Mauern eines gotischen Kreuzgangs. Aus der Zeit der Renaissance stammt das repräsentative Jagdschloss. In seinen Mauern stand lange Jahre eines der Wahrzeichen der Gemeinde Hirsau: der von Ludwig Uhland in einem gleichnamigen Gedicht besungene berühmte „Ulmenbaum“.

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