Bedeutende Klosteranlage vor eindrucksvoller Kulisse

Kloster Hirsau

Kleinod im Schwarzwald

Das Jagdschloss

Das herzogliche Schloss wird zusammen mit dem Neuen Lusthaus in Stuttgart und dem Collegium Illustre in Tübingen in einem Atemzug als architektonisches Glanzstück genannt. Alle drei Gebäude hatten denselben Baumeister: Georg Beer.

Jagdschloss von Kloster Hirsau; Foto: Stadtinformation Calw

Das Schloss zeigt den neuen Anspruch.

Neuer Eigentümer

Nach der Einführung der Reformation 1534 nahm der württembergische Landesherr, Herzog Ulrich, Kloster Hirsau in Besitz, die Mönche mussten das Kloster verlassen. 1556 richtete sein Sohn, Herzog Christoph, eine evangelische Klosterschule ein. Besonders deutlich zeigten sich die neuen Besitzverhältnisse im Bau des Jagdschlosses, das sich Herzog Ludwig von Württemberg in den Jahren 1589 bis 1593 im Süden der Klausur von seinem Hofarchitekten Georg Beer (1527–1600) errichten ließ.

Jagdschloss von Kloster Hirsau bei Nacht; Foto: Stadtinformation Calw

Das Schloss zeigt die fürstliche Macht.

Herzogliche Qualität

Die Dreiflügelanlage, anstelle des mittelalterlichen Abtshauses im Stil der Renaissance erbaut, war eines von mehreren Bauprojekten des Herzogs, der nach höfischer Repräsentation und dynastischer Selbstdarstellung strebte. Georg Beer lieferte Qualität in der Gestaltung des Gebäudes, sein Schüler und Nachfolger Heinrich Schickhardt (1558–1635) unterstützte das Bauvorhaben. Die Beschäftigung zahlreicher Handwerker aus der Residenz Stuttgart garantierte zudem eine hohe Qualität bei der Ausführung.

Modell von Kloster Hirsau vor der Zerstörung 1692; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Das Schloss diente als Jagdaufenthalt.

Repräsentativer Renaissancebau

Das Jagdschloss grenzte im Süden an die Klausur und war mit ihr über einen viergeschossigen Torturm verbunden. Es erstreckte sich ca. 37 Meter in Nord-Süd- und gut 76 Meter in Ost-West-Richtung. Im nahezu quadratischen Ostflügel mit den vier Schweifgiebeln gab es einen Keller und eine große Halle mit Kamin. Hier waren wohl die Repräsentationsräume zu finden. Der langgezogene Südflügel mit Treppenturm, von dem nur die Mauern des Erdgeschosses erhalten blieben, diente als Verbindungsbau.

Herzogliches Schloss von Kloster Hirsau nach der Zerstörung durch den Brand auf einem Gemälde; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Später wurde hier Getreide gelagert.

Zerstört und neu genutzt

Der Herzog nutzte sein Schloss als standesgemäßen Aufenthalt bei Jagden und als Quartier für Bäderreisen nach Liebenzell. Gut 100 Jahre nach seiner Errichtung wurde es, wie auch das angrenzende Kloster, im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen niedergebrannt. Von der einst prächtigen Ausstattung haben sich nur spärliche Reste wie Architekturfragmente und Teile eines großen Kamins erhalten. Der weniger zerstörte Westflügel des Schlosses wurde 1740 zum Getreidespeicher umfunktioniert.

Das Schloss, Symbol des Anspruches auf die einstige Klosteranlage durch den Herzog, wurde während des Krieges zerstört.

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