Luftaufnahme des Klosters Heiligkreuztal

Fantasievoll und bunt

Anekdote: Die Gründungslegenden

Um die Gründung von Heiligkreuztal ranken sich unterschiedliche Legenden. Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte in verschiedenen Fassungen weitererzählt und niedergeschrieben. Ein Dieb der Heiligkreuz-Reliquie oder ein Wildschwein: Wer hat die Gründung von Heiligkreuztal bewirkt?

Strahlenmonstranz mit Kreuzpartikel im Museum in der Bruderkirche des Klosters Heiligkreuztal; Foto: Markus Schwerer

Sagenumwobene Kreuzreliquie.

Version 1: Diebstahl in Schloss Heiligenberg

Ein Graf namens Egon stahl ein kleines Stück des Heiligen Kreuzes, das als Reliquie in Schloss Heiligenberg aufbewahrt wurde. Als Folge der schändlichen Tat erblindete der gemeine Dieb. Eingeschüchtert schwor Egon, sein gesamtes Erbe einer Gemeinschaft von Schwestern zu vermachen, wenn Gott ihn nur wieder sehend mache. Im Traum wurde Egon daraufhin angewiesen, das gestohlene Stück der Heiligkreuz-Reliquie wieder nach Heiligenberg zurückzubringen.

Klostergründung mit Bernhard von Clairvaux, Fresko im Kapitelsaal des Klosters Heiligkreuztal; Foto: Markus Schwerer

Ein Kloster für die Kreuzreliquie.

Das Wunder führt zur Klostergründung

Also brachte Graf Egon das Diebesgut wieder ins Schloss Heiligenberg zurück. Nach der Beichte und einer angemessenen Buße konnte er tatsächlich wieder sehen. Auf dieses Wunder hin bat er die Herren von Heiligenberg, ihm ein kleines Stück der Heiligkreuz-Reliquie zu überlassen: Er wollte ein Kloster stiften und dort das Stück des Heiligen Kreuzes für alle Gläubigen aufbewahren. Seine Bitte wurde erfüllt und Egon erbaute Kloster Heiligkreuztal. Während der Bauzeit sollen weitere Wunder geschehen sein.

Version 2: Diebstahl auf der Insel Reichenau

In dieser Version war Egon ein Mönch des Klosters auf der Insel Reichenau. Er stahl die Heiligkreuz-Reliquie und erblindete. Egon beichtete seinem Abt und schwor, für die Reliquie eine Kirche zu bauen. Sein Abt gewährte ihm schließlich ein Stück des Heiligen Kreuzes. Egon machte sich auf, das verwüstete Kloster von Wasserschapfen zu erneuern, in dem seine Schwester Hailwilda von Grueningen Äbtissin war. Aus dem Ort Wasserschapfen wurde Heiligkreuztal.

Das Münster Mittelzell, Klosterinsel Reichenau

Die Klosterinsel Reichenau.

Strahlenmonstranz im Museum in der Bruderkirche des Klosters Heiligkreuztal mit einer Inschrift auf der Rückseite; Foto: Markus Schwerer

Strahlenmonstranz mit Inschrift.

Version 3: Ein Wildschwein entdeckt die Reliquie

Eine ganz andere Gründungslegende berichtet: Das Kloster war 1204 gegründet worden, nachdem ein Wildschwein an dem Standort des heutigen Klosters ein Stück des Heiligen Kreuzes ausgegraben hatte. Der Ort Wasserschapfen wurde zu diesem Zeitpunkt in Heiligkreuztal umbenannt. Auf der Strahlenmonstranz aus dem Jahr 1712, die das Stück des Heiligen Kreuzes enthält, wird noch heute der Legende gedacht. Auf ihrer Rückseite befindet sich ein eingravierter Text, der diese Version der Gründungslegende schildert.

Im ehemaligen Kapitelsaal, heute die Hauskapelle, sehen Sie die Gründungslegende in den Wandmalereien an der Nord- und Westwand dargestellt.

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