Ruinen der Burg Hohenstaufen; Foto: Markus Schwerer

Erste Forschungsergebnisse

Martin Crusius

Martin Crusius (1526–1607) war ein bedeutender Altphilologe und Historiker, der sich mit der Geschichte von Schwaben und Württemberg beschäftigte. Ihm sind Informationen über die ursprüngliche Anlage der Burg Hohenstaufen und deren Aussehen im 16. Jahrhundert zu verdanken.

Porträt Martin Crusius; Foto: wikipedia-gemeinfrei

Martin Crusius im Jahr 1590.

Wie sah der Lebenslauf von Crusius aus?

Martin Crusius wurde 1526 als Sohn des evangelischen Pfarrers Martin Krauß in Walkersbrunn bei Erlangen geboren. Er verbrachte die Schulzeit in Ulm und Studienjahre im Predigerkloster zu Straßburg. 1554 wurde er Rektor der Lateinschule in Memmingen, 1559 Professor für Griechisch und Lateinisch an der Universität Tübingen. Crusius zog viele Schüler an und erwarb sich einen Ruf als hervorragender Lehrer für Altgriechisch. Er stand mit zahlreichen Gelehrten des In- und Auslandes in Verbindung. 

„Annales suevici“ von Martin Crusius, 1595; Universitätsbibliothek Tübingen

Crusius‘ Hauptwerk: „Annales suevici“.

Was war sein Hauptwerk?

Der Gelehrte übertrug, wie damals üblich, seinen Namen Martin Krauß ins Lateinische. Als Martin Crusius hat er viel geschrieben. Sein Hauptwerk waren die „Annales suevici“: drei Bände und ein Nachtragsband, die 1595 und 1596 in Frankfurt a.M. erschienen sind. Darin trug er – auf lateinisch! – sehr viel Material zur Geschichte Schwabens und Württembergs zusammen, unter anderem auch über die Staufer und den Hohenstaufen. 1733 wurden die „Annales suevici“ ins Deutsche übersetzt und neu herausgegeben.

Welchen Eindruck bekam Crusius vom Hohenstaufen?

Ein wichtiges Zeugnis für die im Jahr 1525 zerstörte Burg Hohenstaufen sind die Aufzeichnungen von Martin Crusius, der sich im Mai 1588 auf dem Hohenstaufen aufhielt: „Von dem einst wohlgestalteten Körper sahen wir nur noch ein Skelett“, notierte er in sein Tagebuch. Bestürzt vermerkt er weiter: „Lieber Gott, soll ein solcher Glanz mächtiger Fürsten und Monarchen zu einem so leichenhaften Ausdruck verfallen sein?“ Der Historiker fertigte eine Skizze von der Burgruine an, in dem die Mauern und Türme zu sehen sind. 

Luftaufnahme der Burgruine Hohenstaufen

Die Burgruine Hohenstaufen heute.

Welche Informationen gibt Crusius über die Burg?

Sein Plan zeigt eine Reihe damals noch vorhandener Gebäudereste, das Burgtor und die zwei noch existierenden Türme. Crusius nennt den Hauptturm „Mannsturm“, den kleineren Turm an der Westflanke „Bubenturm“. Laut Crusius bestand die Umfassungsmauer größtenteils aus den für den staufischen Burgenbau charakteristischen Buckelquadern. Diese Mauer entstand vermutlich im 12., spätestens im frühen 13. Jahrhundert. Wie die Mauer zur Erbauungszeit ausgesehen hat, ist nicht bekannt. 

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