Aussichtsbalkon mit berühmter Fernsicht

Burg Alt-Eberstein

Der Kaiser und seine heimtückische List

Die Belagerung

durch Otto I.

Im Jahr 938 soll Kaiser Otto I. die Burg Alt-Eberstein belagert haben – doch das ist mehr als fragwürdig. Um diese Zeit sind die Ebersteiner in der Region noch nicht nachweisbar. Trotzdem: Die Geschichte um die Belagerung ist lesenswert.

Bildnis von Ludwig Uhland, Lithografie um 1850; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Dieter Jaeger

Der Schriftsteller Ludwig Uhland.

Die Überlieferungen

Die Geschichte geht ins späte 16. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert wurde sie auf einem der Wandgemälde der Trinkhalle Baden-Baden dargestellt und in verschiedenen Versionen auch schriftlich weiter verbreitet. Der schwäbische Dichter Ludwig Uhland widmete ihr ein humorvolles Gedicht. Kaiser Otto I. sei nach der Belagerung Straßburgs auch den Herren von Eberstein auf die Pelle gerückt, berichtet die Überlieferung – denn diese hätten zu den Straßburgern gehalten.

Luftansicht vom Bergfried von Burg Alt-Eberstein; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Der Bergfried der Burg hat sich erhalten.

Mit List und Tücke

Ewig belagerten die Truppen Ottos die Burg – doch einnehmen konnten sie sie nicht. So lud der Kaiser die drei Herren von Eberstein zu einem Turnier mit anschließendem Ball nach Speyer ein. Während ihrer Abwesenheit könne man dann die Burg in Ruhe erobern, so glaubte man. Tatsächlich folgten die Burgbesitzer, drei Brüder, der Einladung. Einer von ihnen, ein junger hübscher Mann, durfte den ersten Tanz mit einer vornehmen Dame tanzen – der Tochter des Kaisers, wie einige Autoren berichten.

Schlaue Ebersteiner

Das Mädchen war nett: Sie verriet ihm die List ihres Vaters. So kehrten die Ebersteiner unauffällig nach Hause zurück – und begrüßten die kaiserlichen Kämpfer am anderen Tag mit Steinwürfen. Drei Gesandten des Kaisers zeigten sie ihre riesigen Vorräte – Getreide und Wein für eineinhalb Jahre. Man würde einer Belagerung also weiter standhalten können. In Wirklichkeit hatte man die Fässer in zwei Reihen gestapelt und die unteren mit Wasser gefüllt. Unter der obersten Schicht Getreide lagen alte Tücher, Hülsen und Spreu.

Burg Alt-Eberstein thront auf einem Felsen, Ansicht aus der Froschperspektive; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Sandra Eberle

Im Schutz der Felsen: die Burg Alt-Eberstein.

Ende gut, alles gut

Und der Kaiser? Nachdem er verstanden hatte, dass eine weitere Belagerung der Burg zwecklos war, gab er dem jungen Ebersteiner seine Tochter – nach anderen Versionen seine Schwester – zur Frau. Welch ein glückliches Ende! Der neue Schwiegersohn wurde bald auf diplomatische Mission geschickt – und da beginnt die nächste Sage: die Geschichte von der Ebersteiner Rose.