Burg Rötteln, Lithografie von A. Merian, 1828

Burg Rötteln von 1800 bis heute

Dossier: Ruinenromantik und Denkmalpflege

Um 1800, im Zeitalter der Romantik, wurde das Mittelalter als ideale Vergangenheit wiederentdeckt – Burgruinen galten als Sinnbild einstiger Macht. Zur Erforschung und Erhaltung der Kulturdenkmäler entstanden die moderne Geschichtswissenschaft und die Denkmalpflege.

Burg Rötteln, Lithografie von A. Merian, 1828

Burg Rötteln durch einen Torborgen gesehen.

Verlassene Burg

Am Ende des 17. Jahrhunderts war Burg Rötteln zerstört und verlassen. Die Bewohner der umliegenden Dörfer nutzten sie in den folgenden Jahrzehnten als beliebten Steinbruch, denn die Steinquader waren schon zugehauen und leicht transportierbar. Über einhundert Jahre dauerte dieser Zustand, bis die Burgruine das Interesse von Künstlern weckte: Im romantischen Verständnis war sie ein Denkmal! Nun begann man, dem Verfall Einhalt zu gebieten und die Bausubstanz zu sichern.

Burg Rötteln, Stahlstich aus Joseph Bader: „Badenia oder das badische Land und Volk“, 1844

Romantische Ansicht der Burg Rötteln von 1844.

Dichter auf der Burg

Um 1800 besuchten die ersten Maler und Dichter die Burgruine Rötteln. Einer von ihnen war Johann Peter Hebel. In Basel geboren, kannte er durch seine Arbeit als Lehrer in Lörrach die Burg. Durch sie inspiriert schrieb er „Alemannische Gedichte“, die als Sammlung veröffentlicht wurden. Eines der berühmtesten Gedichte davon ist „Die Vergänglichkeit“. In diesem spielt die Burg Rötteln eine zentrale Rolle: Ein Großvater erklärt an ihrem Beispiel seinem Enkel den Verfall der Welt.

Burg Rötteln, Lithografie nach einer Zeichnung von Maximilian Ring, 1828

Geheimnisvolle Ruinen wie die Burg Rötteln zogen Dichter und Maler im 19. Jahrhundert magisch an.

Besucherinnen auf Burg Rötteln genießen die Aussicht

Atmosphäre und Ausblick: Ein Besuch lohnt sich.

Beliebtes Ausflugsziel

Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden erste Sicherungsarbeiten durchgeführt. Burg Rötteln wurde ein Ausflugsziel, das mit bequemen Fußwegen und Bänken zugänglich gemacht wurde. 1853 nahm sie der erste Denkmalpfleger im Großherzogtum Baden in seine Obhut. Seit 1926 betreut der Röttelnbund e.V. die Burgruine: Er hält die Mauern instand, erforscht die Geschichte der Burg und macht sie durch ein Museum anschaulich. Ein zweiter Verein betreibt seit 1968 die berühmten Röttelner Burgfestspiele.

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