Bossenquader an der Burg Rötteln

Was die Steine erzählen

Quadersteine am Bergfried

Einige Quadersteine an den Ecken des mittelalterlichen Bergfrieds zeigen Spuren aufwendiger Bearbeitung. Sie sind mit einem feinen Netz von Linien überzogen. Solche Steine gibt es normalerweise nicht an einer Burg zu entdecken – eher an Kirchen aus dem 11. Jahrhundert.

Östliche Ansicht vom Bergfried der Burg Rötteln

Starke Mauern trotzten einstigen Angriffen.

Qualität am Oberrhein

Der Bergfried ist der Kern der Oberburg, die zum ersten Mal 1259 in einer Urkunde erwähnt wurde. Am höchsten Punkt der Bergkuppe wurde der wehrhafte Turm errichtet und bot Schutz vor Angriffen von der Nordseite. Seine meterdicken Mauern haben sich bis heute nahezu unversehrt erhalten – das spricht für hohe Qualität und damit für die Macht des Auftraggebers. Die technische Ausführung des Bergfrieds ist charakteristisch für den Burgenbau am Oberrhein.

Verschneite Anlage von Nordwesten, Oberburg mit Bergfried

Hochwertige, mittelalterliche Bauweise.

Die Mauer: wehrhaft und abweisend

Die Quader aus rotem Buntsandstein sind ohne Mörtel aufeinandergeschichtet und sorgfältig bearbeitet. Sie haben die Form von sogenannten Buckelquadern: Die Mitte der Blöcke ist roh belassen, nur die Kanten sind auf eine Ebene gebracht. So wirkt die Mauer besonders wehrhaft und abweisend. Diese Art der Steinbearbeitung wurde Mitte des 12. Jahrhunderts zum ersten Mal in Mitteleuropa eingesetzt und war bei den Staufern beliebt. Zangenlöcher in den Quadern zeugen von den mittelalterlichen Kränen, die mit ihren Zangen die Steine emporhoben.

Recycling oder Neubau?

Die Quadersteine an den Ecken haben in der Mitte keinen Buckel, sondern sind sorgsam abgeflacht. Die Linien, die von allen Seiten her auf die Mitte zulaufen, sind die Spuren des Werkzeugs. Eine sehr aufwendige Steinbearbeitung: Sie erfordert einen geschulten Steinmetzen. Ein solcher Aufwand ist bei Burgen ungewöhnlich und eher im Kirchenbau des 11. Jahrhunderts zu finden. Stammen diese Steine von einem anderen Bauwerk und wurden hier wieder verwendet oder sind es tatsächlich teure Steine? Das ist bis heute ungeklärt.

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