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Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Dienstag, 5. Juni 2018

Residenzschloss Ludwigsburg | Allgemeines

WANDERFALKEN IM SCHLOSS

Das Residenzschloss hat neue Bewohner –und noch dazu besonders rare: Vier junge Wanderfalken wachsen derzeit dort auf. Auf der Nordseite des Alten Hauptbaus wurden sie von fachkundigen Vogelexperten entdeckt. Dort wurde für die rare und bedrohte Spezies bereits vor einigen Jahren eine geeignete Brutmöglichkeit eingerichtet.

Das Schloss hat neue Bewohner: Wanderfalken brüten im Dach des Schlosses

 

Das Residenzschloss hat neue Bewohner –und noch dazu besonders rare: Vier junge Wanderfalken wachsen derzeit dort auf. Auf der Nordseite des Alten Hauptbaus wurden sie von fachkundigen Vogelexperten entdeckt. Dort wurde für die rare und bedrohte Spezies bereits vor einigen Jahren eine geeignete Brutmöglichkeit eingerichtet.

 

BRÜTENDE WANDERFALKEN IM SCHLOSS
Ein Mitarbeiter des Blühenden Barock und sachkundiges Mitglied der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Ludwigsburg hat sie kürzlich entdeckt: Vier junge Wanderfalken. Sie haben ihr Nest an einer kaum von unten sichtbaren Stelle auf der Nordseite im Dach des Schlosses. Die Brut stellt eine schützenswerte Rarität dar: Vogelexperten zählen im ganzen Kreis Ludwigsburg gerade mal drei bis vier Wanderfalkenbrutpaare. Deshalb werden Brutplätze, aus Angst vor Nesträubern, geheim gehalten. Das Falkenpaar im Schloss hat vier Jungfalken, die inzwischen fast flügge sind: Sie machen bereits erste Flugübungen und spazieren auf dem Dach herum.

 

MONUMENTE ALS LEBENSRAUM FÜR BEDROHTE ARTEN
Dass die Wanderfalken ihr Nest im Dach von Schloss Ludwigsburg gebaut haben, hat auch mit einem Nistangebot zu tun, das bereits vor Jahren von den ehrenamtlichen Mitarbeitern eingerichtet wurde. Das Brutangebot haben die Wanderfalken allerdings bisher verschmäht: Es wird in diesem Frühjahr zum ersten Mal angenommen. Viele der historischen Monumente, die von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg betreut werden, bieten bedrohten und seltenen Tierarten Lebensraum. Etwa die Mauern des Heidelberger Schlosses: Die Ruinen sind einer der wichtigsten Winterschlaforte für Fledermäuse in Nordbaden. Der Betrieb und sämtliche Bauarbeiten in dem Schloss, das jedes Jahr von über eine Million Gäste besucht wird, respektieren in ihren Planungen und Abläufen die Bedürfnisse dieser bedrohten Tierarten respektieren. Türme und Dächer einiger Monumente bieten Nistplätze für bedrohte Vogelarten wie Wanderfalken. Die großen historischen Gärten sind mit ihrem oft Jahrhunderte alten Baumbestand Lebensraum für Insekten und Vögel und beherbergen über lange Zeit gewachsene Artengemeinschaften und Biotope.

 

NATURSCHUTZ BEI DEN STAATLICHEN SCHLÖSSERN UND GÄRTEN
Stephan Hurst, der Leiter der Schlossverwaltung Ludwigsburg, freut sich denn auch über die Mitbewohner im Schloss und darüber, dass die Wanderfalken nun das Brutangebot im Schloss angenommen haben. „Wir haben inzwischen gelernt, unsere Monumente nicht nur als historische Zeugnisse, sondern auch in ihrer Qualität als besondere Biotope wahrzunehmen“. Für die Schlossverwaltung und das Amt Ludwigsburg von Vermögen und Bau bedeutet die Aufzucht der Falken, dass während der Brutzeit das Dach nicht betreten wird, damit die Tiere nicht gestört werden. Stephan Hurst: „Wir wollen ja haben, dass die Wanderfalken im nächsten Jahr wiederkommen“.

 

WANDERFALKEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG
Wanderfalken waren über viele Jahre extrem bedroht: Sie wurden gezielt verfolgt durch Bejagung, Vergiftung und Zerstörung ihre Horste, Diebstahl von Vogeleiern und der anschließende Verkauf der Jungtiere. Der massive Pestizideinsatz bis in die 1970er-Jahre führte bei den Vögeln zu so dünnen Eischalen, dass in vielen Gelegen die Eier zerbrachen. Durch intensiven Artenschutz, Umweltschutz und ein weitreichendes Verbot von DDT konnten sich die Bestände weltweit erholen. Gruppen wie die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz Baden-Württemberg sorgen für ihren Schutz. Heute gehört der Wanderfalke zu den besonders geschützten Vogelarten und gilt als selten, aber nicht bedroht: In Deutschland brüten 600-800 Paare; in Baden-Württemberg blieben die Bestandszahlen 2005-2009 konstant bei 260 bis 280 Brutpaaren. Mit einer Körperlänge von ca. 40 cm und einer Flügelspannweite von etwa einem Meter ist der Wanderfalke einer der größten Falken – und er ist der schnellste Vogel der Welt: Im Flug erreicht er Geschwindigkeiten über 300 km/h. Wanderfalken brüten in Felswänden, hohe Gebäuden oder Baumwipfeln. Das Weibchen legt im März drei bis vier Eier, die es ca. 32 Tage bebrütet. Am weitesten verbreitet ist der Wanderfalke in Baden-Württembergs Süden, auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald.

 

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