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Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Donnerstag, 12. April 2018

Kloster Maulbronn | Allgemeines

DAS KLOSTER UND DIE DICHTER

Es ist wohl das berühmteste Gedicht von Justinus Kerner: Die inoffizielle württembergische Hymne „Preisend mit viel schönen Reden“ feiert in diesem Jahr ihr 200-jähriges Jubiläum. 1818 erfasst der schwäbische Romantiker Kerner damit den Geist der Zeit. Was viele nicht wissen: Justinus Kerner verbrachte entscheidende Lebensjahre in Maulbronn! Die Zeit im Kloster hat er in seinem heute noch lesenswerten „Bilderbuch aus meiner Knabenzeit“ in mehreren Kapiteln beschrieben. Mit diesem und anderen Dichtern und Schriftstellern befassen sich verschiedene Führungen im UNESCO-Denkmal – die nächste steht am 22. April auf dem Programm.

Justinus Kerners „Preisend mit viel schönen Reden“ wird 200 Jahre alt

 

Es ist wohl das berühmteste Gedicht von Justinus Kerner: Die inoffizielle württembergische Hymne „Preisend mit viel schönen Reden“ feiert in diesem Jahr ihr 200-jähriges Jubiläum. 1818 erfasst der schwäbische Romantiker Kerner damit den Geist der Zeit. Was viele nicht wissen: Justinus Kerner verbrachte entscheidende Lebensjahre in Maulbronn! Die Zeit im Kloster hat er in seinem heute noch lesenswerten „Bilderbuch aus meiner Knabenzeit“ in mehreren Kapiteln beschrieben. Mit diesem und anderen Dichtern und Schriftstellern befassen sich verschiedene Führungen im UNESCO-Denkmal – die nächste steht am 22. April auf dem Programm.

 

EBERHARD IM BART ALS LEGENDÄRE FIGUR
„Der reichste Fürst“ – so der Titel der Ballade von Justinus Kerner – war der württembergische Herrscher Eberhard im Bart. 1477 gründete er die erste Universität des Landes in Tübingen; dort sollte der Dichter Kerner gute drei Jahrhunderte später selbst einmal studieren. Eberhard im Bart glückte es, die seit langem geteilte Grafschaft Württemberg wieder zu vereinigen. Der größte Erfolg für Eberhard V. war es, als Kaiser Maximilian ihn 1495 auf dem Reichstag zu Worms zum Herzog erhob – und das kleine Württemberg zum Herzogtum. Justinus Kerner siedelt seine poetische Erzählung denn auch an diesem Ort des Triumphs an.

 

GESCHICHTEN-TRADITION MIT HINTERGRUND
Wovon erzählt die Ballade? Justinus Kerner, Dichter der schwäbischen Romantik, lässt die Fürsten des Reiches in Worms von ihren Ländern und ihren Schätzen erzählen. Eberhard im Bart aber bekennt bescheiden, der Herrscher eines eigentlich armen Landes zu sein und doch zugleich der reichste aller Fürsten, denn: „Ich mein Haupt kann kühnlich legen / Jedem Untertan in Schoß“. Die anderen Herrscher sind berührt, erkennen ihre Unterlegenheit und feiern den württembergischen Herrscher: „Graf im Bart! Ihr seid der Reichste! / Euer Land trägt Edelstein.“ Während in frühen Überlieferungen der Geschichte noch offenblieb, wer am Ende den Rang des „reichsten Fürsten“ erhielt, hatte sich zu Justinus Kerners Zeiten wohl die Identifikation mit Eberhard im Bart durchgesetzt.

 

POLITISCH MOTIVIERTE DARSTELLUNG IM 19. JAHRHUNDERT
Als Justinus Kerner 1818 seine Ballade schrieb, war der spätmittelalterliche Eberhard im Bart eine Symbolfigur: Denn am Beginn des 19. Jahrhunderts hatte Friedrich, der erste württembergische König, versucht, Teile der alten Rechtstradition von Württemberg abzuschaffen, zugunsten einer zentralen Organisation nach dem Vorbild Napoleons. Das sogenannte „Alte Recht“ regelte seit Jahrhunderten die Mitwirkung der „Landstände“ – eine repräsentative Vertretung der führenden Schichten des Landes. Eberhard im Bart wurde zur historischen Symbolfigur für dieses Verhältnis zwischen Herrschaft und Landständen – und Friedrich I. versuchte, diese Tradition zu beenden. Der Widerstand im Land war beträchtlich. Kein Wunder also, dass Justinus Kerner den legendären württembergischen Herzog des Mittelalters in seiner Ballade im Jahr 1818 zum Thema machte.

 

JUSTINUS KERNERS KINDERJAHRE IN MAULBRONN
Wie ist nun Justinus Kerners Leben mit Maulbronn verbunden? Geboren wurde er in Ludwigsburg und dort ging er auch die ersten Jahren in die Schule. Dann aber wird sein Vater Oberamtmann in Maulbronn. Dem Stadtkind Justinus fallen die Unterschiede zu seinem Geburtsort stark auf. Im Kontrast zum neuen, frischen Ludwigsburg erscheint ihm das Maulbronner Kloster alt und rätselhaft. Kerner ist tief beeindruckt von der mittelalterlichen Anlage; nachzulesen ist das in seiner biographischen Erzählung „Bilderbuch aus meiner Knabenzeit“. Er schreibt etwa über den kleinen Dachreiter: „Merkwürdig war bei jedesmaligem Geläute der Turm, der auf dieser in Form eines Kreuzes gebauten Kirche sich schlank und leicht aus dem Dache erhob und durch die Erschütterung der Glocken sichtbar hin und her wankte.“ In Maulbronn entdeckt er seine Begeisterung zur Natur: „Was ich in Ludwigsburg noch nicht kannte, die Liebe zu Pflanzen und Blüten, erwachte hier in mir auf einmal.“ Wie wichtig die Erlebnisse in Maulbronn für ihn waren, kann man in seinen späteren Gedichten wiederfinden.

 

ABENTEUER KLOSTER
Da das Kloster zur Zeit von Kerners Aufenthalt keine „externen“ Schüler aufnahm, wurde er von den älteren Zöglingen des Klosters und seinem Vater unterrichtet: Alte Sprachen, Geographie, Geschichte, Geographie und Arithmetik standen auf dem Lehrplan. Der Unterricht zählte allerdings nicht zu seinen liebsten Beschäftigungen in Maulbronn. Der unternehmungslustige Junge suchte das Abenteuer. So fiel etwa der neunjährige Justinus von einem Kelterbaum. Er wollte mit dabei sein bei der Weinlese um Herbst, kletterte auf den beweglichen Arm der Kelter – und trug von seinen Forschungen eine Gehirnerschütterung davon.

 

HELLE KÖPFE AUS DUNKLEN KLOSTERGEMÄUERN
Nicht nur durch Kerner ist das Kloster eng mit der Literatur- und Geistesgeschichte verwoben. Die bekannte Schule, seit der Reformation im Kloster zuhause, brachte in rund 500 Jahren viele Geistesgrößen Südwestdeutschlands hervor. Hermann Hesse, Johannes Kepler und Friedrich Hölderlin waren Schüler der Klosterschule. Die Staatlichen Schlösser und Gärten setzen den klugen Köpfen in verschiedenen Führungen ein Andenken: Das Literaturmuseum im Klosterhof lädt mit den drei Abteilungen „Besuchen – Bilden – Schreiben“ auf die Spuren der Schriftsteller ein. Am 22. April macht sich eine Sonderführung direkt im Kloster auf die Suche nach den Spuren der Dichter in Maulbronn. Bei dem literarischen Spaziergang geht es um die vielen Erzählungen, die mit dem alten Kloster verbunden sind. Für die Führung „Poesie im Kreuzgang“ um 14:30 Uhr ist eine telefonische Anmeldung erforderlich.

 

INFORMATION UND ANMELDUNG
Kloster Maulbronn
Klosterhof 5
75433 Maulbronn
Telefon +49(0)70 43.92 66-10
info@kloster-maulbronn.de

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Das Brunnenhaus

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Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Jessen Oestergaard

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Justinus Kerner

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